Text-Bild-Ansicht Band 147

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Roheisen und Rohstahl bilden nun, besonders im überhitzt geschmolzenen Zustande, Gemische dieser und der vorigen Reihe. Beim allmählichen Erkalten suchen sich dieselben insoweit ins Gleichgewicht zu setzen, als es die Cohäsionskraft zuläßt.

Gesetzt ein Roheisen bestände im Moment der Schmelzung aus:

18 Fe₄ C₁ + 4 Fe₈ C₁ + 2 Fe₁₂ C₁ + Fe₁₆ C₁,

so würde sich dieses Gemisch bei allmählichem Erkalten umsetzen können in:

18 Fe₈ C₁ + 7 C,

um als ein chemisches Ganzes aufzutreten, und würde dann, bei einem Gehalt von 4 Proc. Kohle, als weißes Roheisen auftreten. Zersetzte sich aber dasselbe Gemisch in:

12 Fe₁₂ C₁ + 13 C,

so würde das Resultat ein graues Roheisen seyn.

Gesetzt ein Rohstahl bestände im Moment der Schmelzung aus:

2 [Fe₄ C₁ + Fe₈ C₁ + Fe₁₂ C + Fe₁₆ C₁ + Fe₂₀ C₁ + Fe₂₄ C₁],

so würde sich ein solcher durch das Raffiniren umwandeln lassen in:

7 Fe₂₄ C₁ + 5 C

und dann einen Kohlegehalt von 1,5 Proc. haben.

Wir sehen aus diesen Beispielen zunächst, daß in dem Maaße wie die chemisch gebundene Kohle im Roheisen abnimmt, die mechanisch gemengte zunehmen muß – ein Resultat, welches alle Analysen bestätigen. Sodann muß auch die Verbindung, welche die Grundmasse des weißen Roheisens bildet, eine andere Zusammensetzung haben, als die, welche die Grundlage des grauen Roheisens bildet. Dabei darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, daß in dem Gemenge, aus welchem wir nach dem Erkalten das strengflüssige graue Roheisen erhalten, möglicherweise andere Verbindungen vorherrschend seyn können, als in dem Gemenge, welches als weißes Roheisen erkaltet, da erstens bei einer bei weitem höheren Temperatur erzeugt wird.

Das Härten des Stahls, sowie die Umwandlung des grauen Roheisens in weißes würde nur darin bestehen, daß durch ein rasches Erkalten dem Zersetzen der härteren Verbindungen vorgebeugt wird.

Der Cementationsproceß besteht in einer fortdauernden Zersetzung von höher gekohlten Verbindungen in minder gekohlte, wobei die Kohle von Außen nach Innen vorschreitet. Angenommen es bilde sich auf der Oberfläche des zu cementirenden Eisens die Verbindung Fe₈ C₁, so kann dieselbe durch das zunächst liegende Eisen in Fe₄₀ C₁ umgewandelt werden.