Text-Bild-Ansicht Band 149

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zu einem dritten vereinigt, oder ein gelöster Körper sich durch Entziehen des Lösungsmittels zwischen den Theilen eines festen abscheidet. In beiden Fällen sind sowohl die neugebildeten, als die ausgeschiedenen Molecüle beweglich, können demnach der Anziehung unter sich und schwerer fester Theile folgen und so eine zusammenhängende Masse bilden.

Uebergießt man entwässerten Kupfervitriol mit einer gesättigten Lösung desselben, so verwandelt sich alles in eine zusammenhängende Masse. Dasselbe findet statt, wenn man reines Wasser nimmt, wo sich nur erst eine gesättigte Lösung bildet, dann diese mit dem Ueberschuß von Vitriol erstarrt. Das Erhärten erfolgt hier sowohl in der Art, daß eine Anzahl flüssiger Wassermolecüle ein festes Molecül CuO, SO₃ anziehen, dieses dadurch vorübergehend beweglich machen und nach der Verbindung mit demselben als bewegliches Gesammtmolecül ausgeschieden werden, als auch dadurch, daß durch diese Verbindung von Wasser mit CuO, SO₃ gewässertes schwefelsaures Kupferoxyd aus der Lösung ausgeschieden wird und diese auf beide Arten gebildeten Molecüle von CuO, SO₃ + aq. endlich sich krystallinisch aneinanderlagern und dadurch zugleich die vorhandenen festen Massentheile verbinden.

Ganz ähnlich ist der Vorgang beim Erhärten des Gypses, nur daß die Anzahl der aus der Lösung geschiedenen Molecüle wegen der Schwerlöslichkeit gering ist im Verhältniß zu den durch Verbindung beweglich gewordenen.

Das Erhärten von Cement unterscheidet sich insofern, als durch Wasser mehrere verschieden zusammengesetzte Verbindungen entstehen, welche durch Umlagerung erhärten, und zwar hauptsächlich kieselsaurer Kalt, Thonerdekalt und Kalkhydrat.

Dafür, daß durch die Einwirkung des Wassers auf Portland-Cement Kalkhydrat ausgeschieden wird, spricht außer bereits früher angeführten Versuchen (polytechn. Journal Bd. CXLII S. 106) besonders das Verhalten eines Cements, welches ich aus Plänerkalk von Strehlen bei Dresden dargestellt habe. Einige Stücke davon, ohne Auswahl genommen, enthielten auf 72 Proc. Kalk 22 Proc. SiO₃, 6 Proc. Thonerde und Eisen; Alkali nur sehr wenig. In kaltem Wasser zerfielen sie nicht, nach mehrstündigem Kochen aber zu einem vollständig feinen Schlamm. Vermengt man diesen Schlamm mit Flußspath, 1–2 Proc. der wasserfreien Bestandtheile, und brennt das Gemenge bei Weißgluth 2 Stunden lang, so erhält man ein grünliches schweres Cement, welches sich mit Wasser nicht erwärmt und kräftig erhärtet, gleich einem guten Portland-Cement, jedoch bei ebenso großer Härte viel spröder wird. Zerbricht man erhärtete Stücke, welche etwa 4 Wochen unter Wasser gelegen und wieder getrocknet