Text-Bild-Ansicht Band 149

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Bestandtheile des Leders (polytechn. Journal Bd. CXLV S. 70) erklärt „die Festigkeit des Leders für abhängig von der Eigenschaft zweier Gerbstoffverbindungen, die sich in derselben Haut gebildet hatten,“ einer lockern und einer faserigen; er sagt weiter – „der Gerbstoff verbindet sich mit beiden Theilen der Haut (dem lockern und dem faserigen)77), für jeden derselben sind viel geringere Mengen Gerbstoff erforderlich als für den Leim.“Stenhouse in einer Mittheilung über Gewinnung des Leims aus Leder, polytechn. Journal Bd. CXLVII S. 70, spricht von der „Verschiedenheit der Constitution zwischen Sohlleder und Oberleder, von „einer Umwandlung (wonach dürre Leder keinen Leim mehr geben), die mehr auf einer Umlagerung der Molecüle, als auf Stickstoffverlust beruht.“

Es schien daher für die Theorie wie die Praxis von hinreichendem Interesse, eine Reihe von Beobachtungen zu machen, um die Begriffe über Natur und Wesen des Leders einigermaßen festzustellen.

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Bekanntlich ist es nicht die Haut im weitern Sinn des Worts, die der Gerber bearbeitet, sondern die rein gemachte Haut, oder Blöße, d.h. das durch mechanische und chemische Hülfsmittel von allen übrigen Gebilden und Stoffen, wenn auch nicht vollkommen, doch in hohem Grad befreite Corium. Die reingemachte Haut hat in nassem Zustand ganz und gar die Beschaffenheit wie auf dem thierischen Körper; sie stellt ein milchweißes höchst weiches, geschmeidiges Gewebe dar, welches unter dem Mikroskop als aus äußerst subtilen farblosen, durchsichtigen, durch Gabelung vielfach verästelten, im Allgemeinen der Hautoberfläche parallel laufenden Fasern besteht. Die Undurchsichtigkeit und Milchweiße hat nur einen optischen Grund in der Lichtzerstreuung. Beim Trocknen schrumpft dieses Gewebe zu einer hornartigen, durchscheinenden, anscheinend structurlosen homogenen Masse ein, die einige Zeit in Wasser gelegt, wieder zu der frühern geschmeidigen milchweißen Haut aufschwillt.

Die Erscheinung, daß die Haut beim Trocknen das milchweiße Ansehen verliert, beruht darin, daß die Bindegeweb- und elastischen Fasern dabei zusammenkleben, etwa wie die Windungen der Darmhaut in den Saiten zu musikalischen Instrumenten, so daß die Zwischenräume und die Lichtzerstreuung wegfallen. Die Kraft, mit der die Fasern aneinanderkleben,

77)

Diese Unterscheidung fällt doch wohl zusammen mit dem Gewebe der Haut und den Stoffen der thierischen Flüssigkeiten, die sich im Leben in der Haut befinden und beim Gerben nicht absolut entfernt werden.