Text-Bild-Ansicht Band 149

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einer sehr verdünnten Lösung von kohlensaurem Natron digerirt, nimmt die anfangs wasserklare Lösung eine bräunlichgelbe Farbe an, die rasch in Berührung mit der Luft dunkelt, sie fällt alsdann Eisenoxydsalze, Brechweinstein und Leim. Der rückständige Theil des Leders erscheint durchsichtig, geschwellt; er trocknet nach dem Auswaschen zu einer durchscheinenden hornartigen Masse ein, die sich in siedendem Wasser allmählich aber vollständig zu Leim auflöst. Dieß ist also eine vollkommene Rückbildung von Leder in Haut und man kann so die Haut beliebigemal in Leder verwandeln und rückwärts. Behandelt man ein in Eichenlohe gegerbtes Leder in derselben Weise, so entzieht zwar die Soda, indem sie sich braun färbt, viel extractive Bestandtheile, welche anfangs Eisensalze schwärzen, später nicht mehr; der Rückstand erscheint ebenfalls geschwellt, viel heller von Farbe als vorher, aber er ist immer Leder, gibt keinen Leim, eine Reduction zu Haut findet nicht statt. Es muß daher der leider kaum bekannte Gerbstoff der Eichenrinde, von dem man nur weiß, daß er von dem der Galläpfel sehr verschieden ist, weit inniger an der Faser haften als letzterer.80)

Sowie sich die Gerbsäure auf der Haut verändern und chemisch mit anderen Stoffen verbinden kann, so kann sich auch die Hautfaser umändern ohne von der Gerbsäure loszulassen. Kocht man Leder – in diesem Fall ist es gleichgültig ob loh- oder galläpfelgares – in Wasser, so verwandelt es sich in eine tiefbraune in der Hitze zähe, fadenziehende, in der Kälte spröde, leicht zu pulvernde faserlose Masse von muscheligem Bruch, – eine Substanz, die nichts anders ist als die Verbindung von Gerbsäure mit Leim. – Alaungares Leder verhält sich völlig wie Haut, in Wasser gekocht verwandelt es sich ohne weiters in Leim, indem es sich auflöst; in angesäuertes Wasser gelegt, schwillt es wie Haut und ist nicht von solcher zu unterscheiden, was bei lohgarem Leder nicht der Fall ist. – Jeder Gerber weiß, daß weißgares Leder nach der Gerbung nicht ausgewaschen werden darf. Alaungares Leder gibt nämlich an kaltes Wasser beim Auswaschen das aufgenommene Thonerdesalz ziemlich rasch und vollständig wieder ab, so daß zuletzt nichts als die ursprüngliche Haut zurückbleibt. Bei alaun- oder weißgarem Leder kann mithin am wenigsten eine chemische Verbindung des Thonerdesalzes mit der thierischen Faser vorausgesetzt werden. Weit eher wäre dieß bei den Bestandtheilen des sämischen

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Diese Beobachtung ist schon vor sechs Jahren in meiner chemischen Technologie erwähnt. Auch Stenhouse fand (l. c.) bei der Behandlung der Leder mit Kalkhydrat im Papin'schen Topf, daß gewisse leichte Leder in Haut reducirt wurden, Sohlleder aber nie. Er glaubt diesen Umstand, der wohl nur in der Verschiedenheit der angewendeten Gerbestoffe beruht, in einer Verschiedenheit der „Constitution“ der Lederarten suchen zu müssen.