Text-Bild-Ansicht Band 11

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110) , als Prüfungs-Mittel auf Säuren und Alkalien, statt Lakmus oder Curcuma. Von Rob. Hare, M. Dr. Prof. d. Chemie an der Universität von Pennsylvania.

„Ich hatte einige Alkanna-Wurzeln mit Alkohol übergossen, und wunderte mich nicht wenig, den Aufguß blau, statt roth, zu finden. Bald erinnerte ich mich aber, daß dieser Alkohol über Pottasche stand, und nahm hierauf reinen, wodurch ich eine rothe Tinctur erhielt, die aber auch nur ein Tröpfchen Alkali brauchte, um dadurch blau zu werden.“

„Ich habe in unseren Compendien der Chemie nie etwas über dieses Phänomen gefunden, selbst nicht in Acktn' s und Ure's Wörterbüchern unter dem Artikel Alkanet;“ sondern fand im Gegentheile die Behauptung wiederholt, daß Säuren blaue Pflanzensäfte roth, und Alkalien dieselben grün färben. Nun wird aber Alfanet durch Alkali blau, und Lakmus durch Alkali nicht grün, was nicht mit obiger Behauptung stimmt, um so mehr, als die Lakmus-Farbe durch Alkali entwikelt wird.“

„Man kann die Wurzeln der Alkanna statt des Lakmus brauchen. Sie erzeugen dieselben Phänomene, nur in umgekehrter Ordnung. Der Alkanna-Aufguß muß erst durch Alkali blau, und dann durch Sauren roth gemacht werden; statt, daß der Lakmus erst geröthet, und dann mit Alkali blau gemacht werden muß, so daß, wie eines ein indirectes Prüfungs-Mittel auf Alkalien, das andere ein indirektes Prüfungs-Mittel auf Säuren ist. Wo man den Alkanet-Aufguß in dieser Hinsicht blau macht, muß man so wenig Alkali als möglich nehmen, indem man dann sehr wenig Säure nöthig haben wird, um ihn wieder roth zu färben.“ (Aus Silliman's American Journal of Sciences et Arts; in Gill's technical Repository. März 1823. S. 160.)

Ueber eine Prüfungs-Flüssigkeit aus dem blauen Schwertel. Von Prof. Ormstead, an der North-Carolina Universität.

Als ich bei meinen lezten Versuchen über Säuren eine Prüfungs-Flüssigkeit nöthig hatte, und kein blauer Kohl mehr zu haben war, versuchte ich die Blumenblätter des blauen Schwertels, der damahls im Garten blühte. (Einige nennen diese Garten-Iris, (garden-Iris), wie ich glaube, die blaue Lilie (blue Lily) andere nennen sie fleur de-lis),111) und ich habe noch nie ein empfindlicheres Reagens sowohl auf Sauren, als auf Alkalien, gefunden. Wenn man diese Flüssigkeit mit Sorgfalt bereitet, so röthet sie sich, wenn man auch nur durch dieselbe bläst, und noch mehr, wenn man Kohlensäure durchströmen läßt; eine Empfindlichkeit, die Bergman, und nach ihm Thompson und andere nur dem Lakmus zuschreiben. Außer dieser größeren Empfindlichkeit hat no noch einen anderen Vortheil vor dem blauen Kohle voraus, nämlich den, daß die blaue Farbe, soviel ich nämlich aus einer bereits sechs oder acht Wochen lang aufbewahrten Tinctur schließen kann, sich hält. Vor dem Veilchen hat sie die Größe der Blumenblätter, und die Menge des Farbestoffes, die sie verdünntem Weingeiste mittheilt, voraus.

Ich muß hier bemerken, daß die Blumenblätter den meisten und den empfindlichsten Farbenstoff geben, wenn sie sich eben entfalten, und daß man die Empfindlichkeit sehr erhöhen kann, wenn man die

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denn unter dem Namen Alkanna kommt die Lawsonia inermis (die eigentliche Alhenna), die Anchusa tinctoria und virginica, sogar Lithospermum arvense und fruticosum vor. Man weiß also hier durchaus nicht, woran man ist. Möchten doch diejenigen, die über einen Genstand, der aus dem Pflanzenreiche hergekommen ist, nur so viel Botanik verstehen, daß sie wüßten, daß man nichts weiß, wenn man nicht den botanischen Namen der Pflanze weiß. A. d. Ueb.

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Es gibt so viele blaue Schwertel oder Garten-Iris, daß auch hier (vergl. obige Anmerkung) mit allen den hier angeführten Namen so viel als nichts gesagt ist. Man wird nicht bloß unsere Iris germanica, sondern alle blauen Schwertel, vorzüglich die amerikanischen, versuchen müssen. A. d. Ueb.