Text-Bild-Ansicht Band 36

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165) im Weine erzeugt, und über die Mittel, demselben vorzubeugen und dasselbe verschwinden zu machen. Von Hrn. François, Apotheker zu Chalons-sur-Marne.

Aus dem Journal de Pharmacie. Mars 1830. S. 354.

Hr. Francois stellte in einer Abhandlung, welche er am 16. November 1828 vor der Société d'Agriculture et du Departement de Marne vorlas, als Thatsachen auf:

1) daß das Schmer (graisse) im Weine von der Glaiadine herrührt!

2) daß er die Gegenwart dieses Grundstoffes mittelst verschiedenes chemischer Reagentien im Weine gefunden hat;

3) daß der Wein mehr oder minder dem Schwere ausgesezt ist, je nachdem derselbe mehr oder minder Gerbestoff enthält: eine Substanz, die in den weißen Weinen in geringer Menge vorkommt, indem sie nicht lang auf den Kämmen liegen bleiben ;

4) daß man dieser Krankheit am Weine vorbeugen, und sie mittelst Gerbestoffes heilen könnte;

5) daß der Gerbestoff in den Weinen, welche anfangen zu spinnen (vins filans) einen Niederschlag veranläßt, welche eine Verbindung des Gerbestoffes und der Glaiadine ist;

6) daß, um das Ankleben dieses Niederschlages an der Flasche zu verhindern, man zugleich mit dem Gerbestoffe Hausenblase anwenden müsse, und zwar im Verhältnisse von Einem Quentchen bis zu drei auf tausend Flaschen Wein;

7) daß die Hausenblase nicht bloß den Wein klärt, sondern auch den Färbestoff, der durch den Gerbestoff in denselben gebracht wird, niederschlagen hilft;

8) daß der Gerbestoff einzeln angewendet werden muß, damit die Hausenblase denselben nicht niederschlägt, ehe er sich mit der Glaiadine verbunden hat;

9) daß die rothen Weine nicht am Schmere leiden, indem sie während der Gährung auf den Kämmen lagen168), und folglich mehr Gerbestoff enthalten, als die weißen;

10) daß man bei fettem Weine 20 Gran (3 Unzen und eine halbe auf 100 Flaschen) nöthig hat; daß man aber diese Dosis nur dann anwenden

165)

167). Es fehlte nur an Flaschen, die den inneren Druk des kohlensauren Gases auszuhalten vermochten: wo man sich nicht mit Flaschen versehen kann, die, wie die Champagner Flaschen, den Druk von ein paar Atmosphären aushalten, hat es mit der Champagnerbereitung schon vor dem ersten Anfange ein Ende. Unsere Glashütten müßten hier, zugleich mit unseren Kellern, eine Reforme erleiden. Was die Champagnerbereitung aus unseren leichten, an Weinstein- und Aepfelsäure reichen, an Alkohol armen Weinen erschwert, ist die leidige Glaiadine, das Schmer, (la graisse) wie es die Bauern in der Champagne nennen: dasselbe liebe Ding, das sich den guten Freunden und hohen Gönnern der Rhein- und Mainweine so traulich auf die Zunge legt, wenn sie eine Flasche dieser edlen Weine in sich hineingeschüttet haben, daß sie dasselbe am folgenden Morgen nicht einmal mit Hülfe eines Walisisches (dem Fischbeine) von ihrer Zunge loskriegen können, wenn sie dieselbe auch noch so weit herausstreken und noch so tief in ihr akern; dasselbe liebliche Ding, das im Rheinweine bald wie Juften und altes Leder, bald wie eine Maus riecht. Mit diesem Kobolt hat auch der arme Bauer in der Champagne zu kämpfen, und der Herr Apotheker François versucht hier denselben beschwören zu helfen.

A. d. Ue.

167)

übliche Weise keltern und bis zum Verlaufe des Weines auch ganz die dort bei der Bereitung des mussirenden Weines stattfindende Behandlungsart anwenden. Im J. 1827 wurden an 30,000 und im J. 1828 an 50,000 Flaschen mussirender Wein gezogen, und in der Folge sollen jährlich an 60 bis 70,000 Flaschen gezogen werden. Vergl. Correspondenzblatt des würtembergischen landwirthschaftlichen Vereins Bd. XV. Januar 1829. S. 26.

A. d. R.

168)

Diese Bemerkung machte auch Hofrath v. Froidvaux schon vor 40 Jahren bei seinem Wiener Champagner.

A. d. Ue.