Text-Bild-Ansicht Band 36

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in welchen der Sommer regnerisch und kalt war, liefern uns den besten Beweis dafür. Es ist in solchen Weinen, so lang sie noch grün (verts) sind, sehr viel Gerbestoff, und das Klaren mittelst Haufenblase geht immer, wenigstens großen Theiles, sehr schnell von Statten.

Wenn aber, im Gegentheile, bei dem weißen Weine, nur wenig Gerbestoff vorhanden ist, so daß nicht alle Glaiadine oder aller auflösbarer Kleber, der durch die Weinsteinsäure in Auflösung erhalten wird, durch diesen adstringirenden Stoff ausgeschieden werden konnte, so wird dieser Wein, nachdem er einen Monat oder zwei Monate lang in der Flasche abgezogen war, wenn er auch bei dem Abziehen sehr klar gewesen wäre, mehr oder weniger nebelicht, und mehr oder weniger spinnend.

Man hat bemerkt, daß Weine, welche von Natur aus mehr Zukerstoff enthalten, gewöhnlich mehr dem Schmere ausgesezt sind, als jene, welche weniger davon mit sich führen. Einige Individuen, welche einer entgegengesezten Ansicht waren, und daher weißen Zuker in Wein aufgelöst in die Weine thaten, die anfingen schmierig zu werden, in der Hoffnung, daß der Zuker seinen Einfluß auf das Schmer äußern und dieses zerstören würde, erhielten als Resultat ihrer Zuthat einen nicht schäumenden Wein (vin non mousseux), der eben so fett war, als wenn nichts zu demselben zugesezt worden wäre. Ließ beweist, daß ein Wein, der reich an Zukerstoff ist, an Gerbestoff nicht reich ist. Das Jahr 1825 dient als Beweis desjenigen, was ich hier vorgetragen habe; denn zwei Drittel wenigstens der Weine dieses Jahres waren schmierig und schäumten sehr wenig169).

Es scheint mir, daß das beste Mittel, welches man in warmen und troknen Jahren anwenden kann, um den Weinen so viel Gerbestoff als möglich zu geben, darin besteht, daß man einige Tage früher Weinlese hält, als die Trauben vollkommen reif sind. Dann ist noch nicht aller Gerbestoff vollkommen verschwunden; denn man weiß, daß in dem Maße, als die Traube vollkommen ausreift, der Zukerstoff in derselben häufiger wird, und sie zugleich ihre Herbheit und ihr zusammenziehendes Wesen „(ihren Gerbestoff)“ verliert. In jedem Falle kann man vor jedem anderen Mittel zum Gerbestoffe seine Zuflucht nehmen, wenn man der Entwikelung des Schweres vorbeugen will, indem dieser nur auf die Glaiadine wirkt, und diese fällt,

169)

Man sieht hieraus die Richtigkeit unserer Behauptung in der Anmerkung Nr. 567., daß, je herber der Wein, desto leichter Champagner aus demselben zu machen ist; daß der Champagner unter allen französischen Weinen nur deßwegen Champagner wird, weil er der leichteste und zukerarmste und unseren herben deutschen Weinen am ähnlichsten ist. Wenn die Champagnertraube in warmen Sommern süß wird, gibt sie keinen guten Champagner.

A. d. Ue.