Text-Bild-Ansicht Band 37

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Das Indigharz ist, wenn es rein ist, eine braune, zerreibliche Masse, ohne Geschmak, in Wasser, wie in Alkohol, unauflösbar, und löst sich leicht und ohne Veränderung in kaustischen Alkalien auf. Säuren schlagen es als eine teigartige Masse nieder. Durch seine Zersezung im Feuer erhält es den Geruch von gekohlstofftem Stikstoffe. Es löst sich in concentrirter Salpeter-Säure auf, und färbt diese Morgenroth. Die gehörig verdampfte Flüssigkeit bietet alle Eigenschaften des künstlichen Gerbestoffes dar.

Ich versuchte zu prüfen, ob die verschiedenen von Hrn. Buff beobachteten Charaktere des Indigharzes sich auch in der Azulm-Säure darstellen. Sie löste sich gleichfalls kalt in concentrirter Salpeter-Säure auf und theilte dieser eine schöne Schattirung von Morgenroth mit. Die Auflösung wird von kaltem Wasser gefällt. Langsam und mäßig abgeraucht, läßt sie einen pechartigen Rükstand, der in kaltem Wasser wenig, etwas mehr in heißem auflösbar ist. Die Alkalien lösen diesen Rükstand auf, und die Säuren bilden in der Flüssigkeit einen Niederschlag, welcher demjenigen ähnlich ist, den man aus der alkalischen Auflösung der braunen Masse in dem Indigo erhält. Ich muß hier beifügen, daß ich jedoch diesen Versuch nicht gehörig im Großen anstellen konnte, um eine absolute nahe Aehnlichkeit zwischen diesen beiden Producten aufzustellen.

Ich könnte noch mehr als einen Umstand anführen, unter welchem die Azulm-Säure sich zu zeigen scheint. Es mag genügen, um die Wichtigkeit zu begreifen, welche dieser Gegenstand bei seiner Untersuchung darbietet, nur einen Augenblik zu bedenken, daß man gewisser Maßen weder das Cyanogen, noch die Wasserstoff-Blausäure und selbst die Cyanüre nicht behandeln kann, ohne daß er bei der Behandlung derselben zum Vorscheine kommt, und die Resultate verwikelt, die an und für sich schon nichts weniger als einfach sind. Man hat bisher auch überhaupt sich keine Rechenschaft von allen jenen Phänomenen geben können, die sich z.B. bei der Einwirkung der Alkalien auf das Cyanogen äußern, indem die wahre Zusammensezung der Azulm-Säure bisher noch unbekannt blieb.

Als Beispiel will ich hier nur noch einige von den vielen Ein- und Gegenwirkungen angeben, die zur Entstehung desselben Veranlasung geben.

Hr. Gay-Lussac sagt in den Annales de Chimie T. XXV. p. 188., „daß das durch Destillation von Queksilber-Cyanür erzeugte Cyanogen einige Hunderttheile Stikstoff enthält, und daß die braune Kohle, welche in der Retorte zurükbleibt, gestikstofft ist.“

S. 196. „Daß das Ammoniumgas und das Cyanogen in dem Augenblike auf einander einzuwirken beginnen, wo man sie mit einander