Text-Bild-Ansicht Band 37

Bild:
<< vorherige Seite

von knechtischen Arbeiten nicht geboten war.71) Lang erhielten sich diese Gebote, und erst dann, als man anfing den Feiertagen die wahre Bestimmung zu entziehen, und sie vielmehr ganz zwekwidrig und sittenverderbend zu gebrauchen, wie es gegenwärtig der Fall ist, daß in diesen Tagen alle Arten von Ausschweifungen verübt werden, haben sie sich vermehrt.“

„Selbst in dem religiösen Spanien wurden unter den Päpsten Benedict XIII. und XIV. siebenzehn solche Feiertage abgeschafft, die zu keiner Zeit mehr in das Leben traten; und in allen aufgeklärten Staaten ist man bemüht gewesen, ihre Zahl durch Abschaffung oder durch Verlegung auf den nächsten Sonntag zu vermindern, wodurch die wahre Religion eben so wenig leidet, welche ihren Altar in jedem guten Herzen findet, als sie durch die Vermehrung der Mirakelbilder u. d. gl. gehoben wird.“

„Ein Vereins-Mitglied.“

Man wünscht weitere Bemerkungen

sagt der Verein. Wir erlauben uns welche beizufügen, nicht um diesem Jammer abzuhelfen, sondern um zu zeigen, woher er kommt.

Es gibt eine gewisse Classe von Menschen, von welchen der alte M. Dr. Pier Angelo Manzolli, Leibarzt eines der größten Fürsten Italiens, schon vor Jahrhunderten sang: Mercede colentes, non pietate Deum. Tolle autem lucrum, superos et sacra negabunt.“ Diese guten Leute leben „wie die Lilien auf dem Felde. Sie arbeiten nicht etc.,“ und wollen doch reich werden, und sind reicher geworden, als Niemand außer ihnen es geworden ist. Sie kamen auf die schönste Weise von der Welt zu ihren Schäzen, denn sie ließen sich dieselben schenken. Wie kann man nun glauben, daß diejenigen, die auf diese Weise zu ihren Gütern kamen, jemals aufhören werden, die Hände auszustreken, um sich schenken zu lassen? An jedem der obigen 114 Tage bekommen diese Leute Geld geschenkt. Wären sie klug, wenn sie die Zahl der Schenktage verminderten, oder sind sie nicht vielmehr klüger, wenn sie die Zahl derselben noch mehr vermehren, und mit einer den Bettlern eigenen Hartnäkigkeit auf den bereits bestehenden Schenktagen beharren? Ueberdieß ist nach der in Bayern jezt beinahe allgemein angenommenen Lehre eines der größten Moralisten, der mehr Land, als Bayern allein, beherrscht, „die Sünde der Weg zu Gott.“ Je mehr Feiertage, desto mehr wird getrunken, gespielt, gelumpt, und je tiefer der Mensch dadurch gefallen ist, desto mehr bezahlt er um wieder empor gehoben zu werden. Eben diese Classe hat die Erziehung des Volkes in ihren Händen; und sie hat es dahin gebracht, daß jezt auf dem Lande weniger Leute lesen und schreiben können, als in den finstersten Zeiten Karl Theodors, und daß diejenigen, die lesen können, nichts lesen dürfen und wollen, als von Herz Jesu etc. etc. Hine illae lacrimae von der einen Seite.

Von einer anderen ist eine zweite Classe von Leuten, die man Finanzgehülfen nennt. Diese sehen das Wohl des Staates und ihres Amtes einzig und allein in den Bierpfennigen, und diese Herren rechnen so: je mehr Feiertage, desto mehr wird getrunken; je mehr getrunken wird, desto mehr Vierpfennige: man muß also über die vielen gesezlichen und über die ungesezlichen Feiertage ein Auge zudrüken. Der Staat gewinnt dabei. So hörte Einsender Finanzministerialräthe sprechen, die er nennen könnte. Die Geschichte Bayerns wird diese Namen eben so zu verewigen wissen, wie die Geschichte N. Amerika's die Namen derjenigen Engländer aufbewahrte, die dem armen Wilden den lezten Biber für eine Flasche Brantwein zu entloken wissen, in welchen sein Weib ihren Säugling hüllt, und die Namen der allerchristlichsten und allerkatholischsten Negerhändler, die, gleichfalls mit Brantwein und Tabak, den Neger zum Verkaufe seiner ganzen Familie und endlich seiner eigenen Person verführen. Dieß nennen die Herren indirect zu Werke gehen; dieß sind die indirecten Auflagen, die Niemanden drüken, aber das Gesammtwohl des Staates erstiken.

Noch eine Classe endlich, der es an Erhaltung dieses furchtbaren viertägigen Faulheitsfiebers gelegen ist, ist die der Güter- oder vielmehr der Bauern- und Brauhausbesizer; denn es ist kein bedeutendes Gut ohne Brauhaus in Bayern. Es ist

71)

Die Sonntagsfeier ist jezt das Stekenpferd, auf welchem der Bischof zu London erst im vorigen Monate den h. Augustinus und alle Kirchenväter so tüchtig niedergeritten hat, daß es zu besorgen steht, sie werden sich so leicht nicht wieder von diesem Unfalle erholen. A. d. E.