Text-Bild-Ansicht Band 37

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XXXII. Ueber artesische Salzsoolen und Gasbrunnen in China. Mitgetheilt von Dr. Johann Lhotsky.

Aus Baumgärtner's Journal für Physik und Mathematik zur Aufnahme in das unsrige eingesendet.92)

Wenn aus nachfolgendem Berichte die große Verbreitung artesischer Brunnen in China hervorgeht, so wird Dieses vielleicht auch ein näheres Licht über die Geschichte ihrer Einführung in Europa verbreiten. Denn es ist bekannt, daß diese Art der Brunnengräberei zuerst im Jahre 1671 von Dominicus Cassiini in Frankreich angeregt wurde.93) Da dieses nun auch jene Epoche ist, wo durch Ludwig des XIV. Unterstüzung, die Verbindung jenes Landes mit China durch Missionen, und ihre Berichte vorzüglich lebhaft war, so könnte es wohl seyn, daß vorgenanntem großen Mathematiker diese Idee durch einen Anklang von dorther suggerirt worden wäre. Doch blieb es erst der neuesten Zeit vorbehalten, diese so glükliche Idee vollständig in's Leben einzuführen, denn vor wenig Jahren war man selbst in Frankreich noch der Meinung, daß nur die Gegend um Arras in der ehemaligen Provinz Artois (woher sie auch ihren Namen haben) zur Bohrung der artesischen Brunnen geeignet sey.94)

92)

Wir haben zwar dasjenige, was in obigem uns gefälligst eingesendeten Aufsaze aus dem Missionaire apostolique, Imbert, entlehnt und in technischer Hinsicht merkwürdig ist, bereits im ersten Octoberhefte des vorigen Jahres, Bd. XXXIV. S. 72. unseres Polyt. Journales mitgetheilt; da aber der hier mitgetheilte Aufsaz noch einige Anmerkungen enthält, so glaubten wir unseren Lesern mit demselben um so mehr einen Gefallen zu erweisen, als wir zugleich Gelegenheit haben, sie auf Hrn. Pf. Baumgärtner's treffliches Journal für Physik und Mathematik aufmerksam zu machen, und dem würdigen Hrn. Redacteur desselben unsere vollkommenste Hochachtung und Verehrung zu bezeugen. Was die sogenannten artesischen Brunnen betrifft, so hatten wir im zweiten Hefte S. 323. dieses Jahres Gelegenheit, des vortrefflichen Prof. Carena lehrreiches Werk „Serbatoj artificiali etc.“ über diesen wichtigen Gegenstand anzuzeigen, wo in dem Anhange die Geschichte dieser Brunnen sehr vollständig behandelt ist, und wir hatten in den neueren Heften auch noch hier und da Gelegenheit das Neueste in der Geschichte derselben nachzutragen. Uebrigens wissen unsere Leser so gut, wie wir, in wiefern der Techniker und Naturhistoriker sich an den erbaulichen Briefen (lettres édifiantes) und an den Nachrichten der apostolischen Missionare erbauen kann und darf; denn es ist wirklich erbaulich die Feinheit zu bewundern, mit welcher die Jesuiten im 19ten Jahrhunderte, wie im 16ten und 17ten, dem europäischen christlichen Publikum Dinge weiß machen, zu deren Annahme sie schwerlich einen Mahomedaner oder Heiden bekehren werden. Daß die Annales de l'association de la propagation de Foi nicht immer de bonne foi geschrieben sind, und nichts weniger als überall foi, d.h. Glauben verdienen, wissen unsere Leser auch. Man kann nicht genug auf seiner Hut seyn, wo man mit Jesuiten und Missionaires apostoliques zu thun hat. Der beste Augenschirm gegen die Blendlaterne der Apostolischen ist die Lehre des Apostels selbst: Prüfet Alles, und das Gute behaltet.

93)

Recueil industriel. Paris 1827. A. d. O.

94)

Quelquefois ces nappes (d'eau) s'établissent sur un lit de roche,