Text-Bild-Ansicht Band 37

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übersteigen muß. Wie hoch kann aber dieser leztere Druk steigen? Dieß kann Erfahrung allein uns lehren, und um zu dieser zu gelangen, müssen Winzer und Glasmacher gemeinschaftlich Versuche anstellen.

Die besten Flaschen, in welchen man gegenwärtig schäumenden Champagner aufbewahrt, sind zu schwach, und wir sind der Meinung, daß es den Glasmachern wenig kosten würde, sie starker zu machen. Der allgemeine Fehler bei Verfertigung dieser Flaschen rührt von Ungleichheit der Dike des Glases im Bauche derselben her, und noch mehr von der zu geringen Dike des Glases an gewissen Theilen des Bauches, besonders dort, wo der Bauch sich mit dem Halse und mit dem Boden der Flasche verbindet. Wir haben die Diken an diesen drei Stellen gemessen. Sie sind gewöhnlich am Boden 1 Centimeter, 4 bis 5 Millimeter am Halse, und 1 bis 2 1/2 Millimeter am Bauche. Diese drei Theile wiegen im Durchschnitte, der Boden 640 Gramm, der Bauch 125 Gramm, der Hals 115 Gramm, zusammen 880 Gr. Der mittlere Inhalt beträgt 84/100 Liter;126) die mittlere Dichtigkeit des Glases ist 2,687 (die des Wassers = 1). Das Minimum der Dike des Glases am Bauche darf nicht unter 2 Millimeter betragen, wenn die Flasche einem Druke von 17 Atmosphären widerstehen soll. Wenn man die Ungleichheit der Dike des Glases bei der gegenwärtigen Verfertigungsart der Flaschen nicht vermeiden kann, so wird es nothwendig seyn dieselbe zwischen 2 und 4 Millimeter spielen zu lassen, und um nicht die Schwere der ganzen Flasche noch zu vermehren, muß man versuchen die Dike des Bodens zu vermindern. Da der größte Theil der Flaschen, die zur Champagnererzeugung bestimmt sind, von derselben Art sind, wie kommt es nun, daß die einen brechen, und die anderen ganz bleiben? Es scheint uns, daß dieser Umstand von der Form des Halses und von der Eigenschaft des Pfropfens abhängt, wodurch es dem Gase möglich wird zwischen dem Halse und dem Pfropfen, oder durch die Zwischenräume des Pfropfens zu entweichen. Wenn die Flaschen und die Pfropfen oder Stöpsel alle gleich wären, so würden wahrscheinlich alle diejenigen Flaschen, die dieselbe Flüssigkeit unter derselben Temperatur enthalten, bei demselben Druke brechen, und es scheint uns kein anderes Mittel übrig, das Springen der Flaschen zu verhüten, als daß man leztere in den Stand sezt, einem stärkeren Druke zu widerstehen,127)

126)

Ein Centimeter ist 4,58815 preuß. Linien. Ein Millimeter 0,4588 preuß. Lin. Ein Gramm = 1,2315 preuß. Grän. Ein Litre = 0,873386 preuß. Quart oder 0,7068 Wiener Maß. A. d. Ue.

127)

D.h., aus der Gelehrten Sprache in die gemeine übersezt, wenn man nicht haben will, daß die Flaschen springen, muß man sie stärker machen. Wie dieß aber geschehen soll, ist nicht bestimmt gesagt. Der Uebersezer erlaubt sich hier einen Vorschlag. Da die Kegelform diejenige ist, welche die möglich