Text-Bild-Ansicht Band 37

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127) oder daß man einen Theil der Flüssigkeit oder des Gases durch den Hals unter einem bestimmten Druke entweichen läßt.128)

Die Flasche, welche man zu prüfen hat, mag nun stark oder schwach seyn, so dient die Maschine des Hrn. Collardeau als ein sehr gutes Prüfungsmittel, dessen Anwendung mit keiner Gefahr verbunden ist. Wenn die Flasche mit Wasser gefüllt ist, und während der Probe springt, so geschieht dieß ohne Plazen, was nicht der Fall seyn würde, wenn man die Luft, die in derselben enthalten ist, zusammendrüken, und das Volumen der lezteren durch eingelassenes Wasser vermindern wollte. Das Springen würde dann mit Heftigkeit geschehen, und man müßte die Flasche in mehrere Tücher einhüllen, um die Scherben zurükzuhalten.

Es ist nothwendig, daß die Glasmacher auf Mittel denken, den Flaschen, in welchen man schäumende Weine aufbewahrt, auf eine wohlfeile Weise mehr Stärke zu geben, und, um dieselben au Hrn. Collardeau's Maschine prüfen zu können, müßten sie mehr Sorgfalt auf die Verfertigung des Halses und seiner Mündung wenden. Die Form einer Flasche muß überhaupt die Form eines sich drehenden Körpers seyn, der zwischen 'zwei auf der Achse der Flasche senkrecht stehenden Ebenen eingeschlossen ist; sehr oft aber schließt der Boden sich nicht gehörig auf eine Ebene an, der innere Hohlraum des Halses ist kein regelmäßiger Kegel und die obere Flache der Mündung des Halses ist nicht eben. Diesem lezten Fehler muß besonders abgeholfen werden, wenn man sich der Maschine des Hrn. Collardeau bedienen will. Der mit Leder eingefaßte Hut der Röhre legt sich auf den oberen Rand der Mündung des Halses an, und dieser Rand muß nothwendig flach und eben seyn; denn sonst entweicht das von der Drukpumpe gepreßte Wasser zwischen dem Hute und der Mündung der Flasche. Der

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größte Starke besizt, und zugleich den größten körperlichen Inhalt in dem kleinsten Räume zu fassen vermag; da ferner Kugeln so leicht zu blasen sind; wäre es nicht vorteilhaft der Champagnerflasche die Form einer Kugel zu geben, an welcher der Hals so kurz ist, daß der Stöpsel bis an den Wein reicht? Unter Tausend solchen Flaschen würde nicht Eine springen, wenn sie ganz von gewöhnlichem Glase, und auch eben nicht sehr dik wären. Ja, diese Flaschen haben nicht die gewöhnliche Form! wird man ausrufen. Trinken wir denn aber die Flaschen, oder trinken wir den Wein? Und wird man sich nicht bald, wenn man ja mit den Augen auch trinken will, und auf Formalitäten mehr hält, als auf die Sache (was reine Schreiber-Erbsünde ist), an die Form gewöhnen? Wird nicht vielleicht gar die neue Form die Champagnerfreunde reizen? Ein zierlicher Bombenkessel auf der Tafel, in welchen man die Champagnerbombe einsezt, ehe man sie aus ihrer Zündröhre das Feuer und den Rauch des Champagners sprühen läßt, würde nur ein elegantes Tischgeräts mehr seyn. Weinhändler mögen urtheilen, ob das Publikum fähig ist, mit Verstand, oder, wie man sagt, gescheidt zu trinken, und leere Formalitäten vor dem Trinken so leicht zu vergessen, als es nach dem Trinken nur zu oft, selbst bei alten Formalitätsfreunden zu geschehen pflegt.

A. d. Ue.

128)

Daß aber dadurch der Wein schlechter werden müßte, ist offenbar.

A. d. Ue.