Text-Bild-Ansicht Band 37

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füllen lassen, sind in ihrem moussirenden Zustand sowol als in den Fässern vor der Ziehung, vollkommen gesund und troken (secs) geblieben.

In Bezug auf die Bemerkungen des Herrn Uebersezers der Abhandlung des Hrn. Apothekers François, die viel Gutes und Richtiges enthalten, habe ich jedoch Folgendes auszustellen: Der achte wahre, nicht schäumende Champagner (non mousseux), weit entfernt ein elendes Ding zu seyn, ist der vorzüglichste, ausschließlich aus Klefner Trauben, der besten Lagen der ersten Weinorte der Champagne, und Verzenay (Sillery) gekelterte Wein. Die Bereitung des moussirenden Weines ist nicht so leicht, als der Herr Uebersezer zu glauben scheint, und unerachtet meiner langen Erfahrung bin ich nie im Stande, im Voraus mit Gewißheit zu bestimmen, ob mein Wein nicht zu stark, oder nicht zu wenig, oder gar nicht moussiren werde.

Es läßt sich allerdings aus gutem und schlechtem Weine Champagner bereiten, aber Feuer, Aroma, Wohlgeschmak und Blume lassen sich nicht ersezen, der Wein eines schlechten Jahrgangs wird auch einen schlechten Champagner geben, unerachtet des stärkeren Zukerzusazes, welchen Zusaz jeder moussirende Wein in der Champagne erhält und erhalten muß, weil durch den Mousse dessen natürlicher Zukerstoff mehr oder weniger absorbirt, und der Wein dadurch auch in den besten Jahren herb wird, was bei dem wahren non mousseux von und Sillery, welchen man allein in seinem natürlichen Zustande verkauft, nicht der Fall ist.

Der Champagner wird nicht in der lausigen Champagne (Champagne pouilleuse) erzeugt, welche nur geringhaltige Weine hervorbringt.

Die Bereitung des moussirenden Champagners ist eine auf vielseitige Erfahrungen gegründete Kunst, welche nicht einmal alle Weinhändler, die sich damit abgeben, noch vielweniger die gewöhnlichen Weinbergsbesizer gehörig verstehen; die lezten verkaufen in der Regel ihren Wein bei der Lese am Stok, oder im Laufe des Winters in Fässern an die ersten, deren Geschäft große Capitalien erfordert, weil der Champagnerwein wenigstens 18 Monate bis 2 Jahre alt seyn muß, ehe er in den Handel gebracht werden kann.129)

129)

Wir kamen in den Besiz von 6 Flaschen weißen moussirenden Weines der besten Sorte des Jahrganges 1828 aus der Champagnerweinfabrike der HHrn. G. C. Keßler und Comp. in Eßlingen, und haben davon dem Hrn. Uebersezer der Abhandlung des Hrn. François, welcher sie mit mehreren beachtungswerthen Anmerkungen begleitete, zur Abgebung eines Urtheils über diesen deutschen moussirenden Wein übersendet. Dieser Kenner sandte uns nachstehendes Zeugniß:

„Der Unterzeichnete, der kein Trinker, aber ein feiner Weinkenner ist, der Gründe und Jahre von Gewachsen kennt, und der nicht selten bei Weinkäufen von hohem Werthe um Rath gefragt wurde, der im J. 1811, wo Frankreich den Culminationspunkt seiner Cultur erreichte, in der Champagne selbst oeil de