Text-Bild-Ansicht Band 37

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raffinirt wird, bei welchem eine größere Fläche der Einwirkung bei Wassers ausgesezt werden muß, bestehen die Formen aus Kegeln, welche unten mit einer Oeffnung versehen sind, wie in Figg. 1819.

LIV. I. Ueber die Identität des raffinirten Runkelrübenzukers und des Rohrzukers, und über die Mittel den Rohzuker beider zu unterscheiden. II. Ueber das Abschäumen des Saftes der Runkelrüben und ein neues Merkmal bei der Anwendung des Kalkes am Rohrzukersafte. III. Ueber Verwandlung des Stärkmehles in Zuker durch das Malz. IV. Fortschritte der Runkelrübenzuker-Fabrikation. Von Hrn. Dubrunfaut.

Aus dem Agricultur manufacturier. April – Mai. 1830. (Im Bulletin des Sciences technol. April 1830. S. 326.)

I.

Hr. Dubrunfaut bekämpft die Vorurtheile, nach welchen der raffinirte Runkelrübenzuker ein anderer Zuker seyn soll, als der Rohrzuker.183)

183)

Die Vorurtheile gegen Runkelrübenzuker in Frankreich widerlegen sich desto leichter, als sie auf der einen Seite bloß durch die Zukerplantagen-Besizer und die Rohrzuker-Raffineurs erzeugt wurden und unterhalten werden, und auf der anderen durch die Runkelrübenbauer und durch die Runkelrübenzuker-Raffineurs mit guter Waare für wohlfeilen Preis praktisch widerlegt werden. Es ist in der That eine sonderbare Erscheinung, daß, während der Runkelrübenzuker eine deutsche Erfindung ist, die bereits ein Alter von 50 Jahren erreichte, Deutschland von dieser Erfindung bisher noch beinahe gar keinen Nuzen zog, während Frankreich dieselbe, man darf sagen, selbst zu seinem eigenen Schaden, benüzt. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn die Colonialgeseze Frankreichs nicht so bodenlos dumm wären, wenn die Steuern und Abgaben auf Colonial-Rohzuker, Zuker-Raffinirung und raffinirten Zuker nicht so unerschwinglich hoch stünden, Frankreich nicht bloß seinen Bedarf an Rohrzuker um die Hälfte, vielleicht um zwei Drittel sogar, wohlfeiler erhalten, sondern selbst aus seinen wenigen Colonien die Hälfte von Deutschland mit Zuker, und zwar noch überdieß um die Hälfte wohlfeiler als bisher, versehen könnte. Man kann sagen, daß Frankreich und England heute zu Tage mit einander wetteifern, wer in Verwaltung seiner Colonien und in Rohrzuker-Erzeugung dümmer zu seyn vermag. Die heutigen britischen Finanzminister haben vergessen, daß wegen 9 kr. Aufschlag auf das Pfd. Thee Nordamerika verloren ging, und die heutigen Minister Frankreichs vergaßen die Erzeugnisse von 1789. Diese Dummheit kommt allerdings denjenigen deutschen Völkerstämmen, welche gleichfalls einige Colonien im Zukerklima besizen, den Holländern, Dänen und Schweden, deren Colonialgeseze menschlicher sind, sehr zu Statten; allein das eigentliche Deutschland leidet durch die Dummheit der französischen und englischen Zukergeseze noch weit mehr, als durch den Eigennuz der Franzosen und der Engländer selbst, und sieht mit Sehnsucht der nahen Epoche entgegen, wo Brasilien, wo die Republiken in Süd- und Mittelamerika und die Vereinigten Staaten das bittere Joch, das es um des Bedarfes seiner Süßigkeiten willen ertragen muß, von seinem Naken nehmen werden. Frankreichs Zukerbedarf ist nun bereits zu einem beträchtlichen Theile durch seine Runkelrübenzuker-Raffinerien in den nördlichen Provinzen gedekt: die Zahl der lezteren steigt beinahe schon bis zu Tausenden, und das Capital in denselben zu vielen vielen Millionen. Während Frankreich aber dadurch auf der einen Seite seinen Bedarf an Zuker, und auf der anderen durch das Emporkommen