Text-Bild-Ansicht Band 37

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Schwamme oder mit einem breiten Pinsel auf. (Monit. de l'industrie Fevr. 1830. Bulletin d. sc. techn. Avril . 1830. p. 344.)

Betrügliche Gewichtsvermehrung des Türkisch rothgefärbten Garnes und deren Entdeckung.

Die Türkischrothgarnfärber pflegen das Gewicht des fertigen Garns durch eine sogenannte Ueberbeize, welche sie das Prozentiren des Garnes nennen, um 6, 8, 10, 12, 15 bis 20 Prozent zu vermehren und den Abnehmer dadurch absichtlich zu betrügen. Bisher geschah dieses mit einer Mischung von Oel mit etwas Lauge oder Degraisirbrühe. Gegenwärtig wird zu diesem Behufe Kartoffelsyrup von Fabrikanten ausgeboten und angewendet. Die erste Art der Gewichtsvermehrung entdekt man, wenn ein vorher genau bestimmtes Gewicht, etwa hundert Gewichts-Theile roth gefärbtes Garn in schwacher Lauge oder Potaschenauflösung tüchtig gewaschen und darauf in Wasser gut ausgewaschen und getroknet wird, wo das abgängige Gewicht als absichtliche Gewichtsvermehrung zu berechnen ist; denn das nicht prozentirte Garn verliert durch Waschen in Lauge nichts von seinem Gewichte. Die zweite und neuere Art der bezüglichen Gewichtsvermehrung entdekt man durch Auswaschen in heißem Wasser. Man ist berechtigt dem Verkäufer solchen Garnes so viel an Prozenten des Betrags in Abzug zu bringen als das Garn durch den einen oder den andern Versuch an Gewicht verloren hat. Dieses Prozentiren belebt und erhöht auch noch die Farbe, und es erhält selbst schwaches Roth durch das Prozentiren mit Oehl oder einer öhligen Verbindung ein satteres Ansehen, das aber verschwindet, wenn die mit solchem Garne erzeugten Fabrikate gewaschen werden.

Morel's Hygrodopage, oder Korkzieher für Champagner und Weißbier.

Nach einem Berichte des Hrn. Robert vor der Société d'Economie industrielle im Journ. d. connaissances usuelles, Avril, 1830., und im Bulletin d. Scienc. technol. Avril, 1830., S. 148., ist der schlechte englische Korkzieher zum Entpfropfen der Champagnerflaschen, durch welchen das Herausfahren des Weines verhindert werden soll, auch in Frankreich bekannt. Es hat Jemand in Frankreich eine Verbesserung desselben patentiren lassen, die auch nicht viel werth ist.

Hr. Morel der jüngere, ein sehr geschikter Uhrmacher zu Paris, hat nun einen neuen Korkzieher für Champagner und starkes Bier erfunden, der ganz vorzüglich seyn soll, und der die Flasche ohne allen Verlust der Flüssigkeit mit vollkommener Sicherheit leeren läßt. Beschreibung ist a. a. O. keine gegeben, und die Weinhändler und Wirthe, welche mit Champagner Geschäfte machen, werden gut thun, wenn sie sich diese, wie man sagt, herrliche Erfindung von Hrn. Morel dem jüngern kommen lassen. Unsere wakeren Nürnberger werden sie uns dann auch bald gut und wohlfeil liefern.

Ueber das flüchtige Oehl in den bittern Mandeln,

haben Hr. Robiquet und Voutron neuerlichst Versuche angestellt und gefunden, 1. daß dieses Oehl in Folge eingesogenen Sauerstoffes in, Benzoe-Säure verwandelt wird; 2. daß dieses flüchtige Oehl in der Mandel nicht vorläufig vorhanden ist, und daß Wasser zu seiner Bildung nöthig ist; 3. daß die Benzoe-Säure nicht vorläufig in dem flüchtigen Mandelöhle vorhanden ist; 4. entdekten sie eine eigene krystallinische weiße Masse, die geruchlos, in Berührung mit der Luft unveränderlich, bitter schmekend, vollkommen wie bittere Mandeln, höchst auflösbar in Alkohol und durch Erkaltung in strahlenförmige Nadeln krystallisirbar ist, und die endlich, mit kaustischer Potasche-Auflösung erhizt, einen ausgezeichneten Ammonium-Geruch entwikelt; 5. fanden sie, daß die Amygdaline (so nennen die Herren diese Masse oder diesen Stoff) die einzige Ursache der Bitterkeit der bittern Mandeln, und einer der Bestandteile, des flüchtigen Oehles ist. (Journal d. Pharm. Jul. 427.)