Text-Bild-Ansicht Band 37

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Mineralwasser zur Erzeugung kohlensaurer schäumender Mineralwasser, zur Erzeugung mehrerer kohlensauren Salze und Bicarbonate und der Pastilles alcalines, zu einer großen künstlichen Brüte-Anstalt, zu einer großen Hanfröstungs-Anstalt des Hanfes der Limagne mittelst der kohlensauren Soda, zur Soda- und krystallisirten kohlensauren Soda-Erzeugung werden verwendet werden.320) Vichy ist ein unbebautes Land in industrieller Hinsicht; es ist aber leicht, daselbst alle jene Verbesserungen anzubringen, von welchen ich so eben sprach, und es ist wirklich unbegreiflich, daß unter den vielen unterrichteten Fabrikanten, welche Frankreich besizt, auch nicht ein einziger an Errichtung einer Fabrik daselbst, an Benüzung der reichen Hülfsmittel dachte, die ihm daselbst zu Gebote stehen.321) Ich wünsche, daß dieser Aufsaz diesem traurigen Zustande ein Ende mache und jene Entwikelung der Industrie veranlasse, deren dieselbe noch fähig ist.

320)

Siehe Berthier und Buvis Abhandlung über diesen Gegenstand in den Annales des Mines V. T. S. 401. 1820.

321)

Der vortreffliche Hr. Verfasser wird uns Fabrikanten verzeihen, wenn wir auf die bisherigen Analysen der Bade- und Mineralquellen aller Länder nicht viel hielten. Wenn man die verschiedenen Analysen einer und derselben Quelle von verschiedenen berühmten Chemikern angestellt vergleicht, so fehlt es nicht selten an diesem und jenem Bestandtheile um 10 p. C. und mehr, und wo wir Fabrikanten nicht wenigstens auf 8 p. C. sicher sind, können wir gar nicht arbeiten. Keine Analyse von Vichy, wenigstens keine die uns der fleißige Bouillon-Lagrange in seinem Essai sur les eaux minerales anführt, erwähnt des kohlensauren Gases in der heißen Quelle von Vichy auch nur mit einem Worte. Wer sollte in einer heißen Quelle, die zum Hühnerausbrüten taugt, eine solche Menge Kohlensäure vermuthen? Es ist also nicht die Schuld der Fabrikanten, wenn sie, nach den bisherigen Analysen der Mineralquellen, diesen keine Aufmerksamkeit schenkten, sondern die Schuld der Analytiker. Unter unseren heutigen Badeärzten, und auch unter den früheren, ist unter 25 nicht Einer, der Chemiker genug wäre, um zu wissen und Anderen sagen zu können, was seine Badequelle eigentlich enthält. Wir könnten zum Beweise unserer sehr hart scheinenden Behauptungen die Biographie von ein paar Duzend Badeärzten an hoch-, mittel- und wenig-berühmten Bade- und Heilquellen namentlich liefern, wenn wir so hart seyn wollten, als wir zu seyn scheinen. Seit ungefähr 30 Jahren war Chemie derjenige Theil ärztlicher Hülfswissenschaften, der am wenigsten von den Aerzten während ihres Studiums betrieben, der sogar mit lautem Hohne verachtet wurde von den neuen Asklepiaden, und heute zu Tage ist sie an einigen medicinischen Lehranstalten sogar proscribirt. Wir haben uns durch ein dreißigjähriges Studium der Analyse der Mineralwässer durch Vergleichung (wir dürfen sagen) der meisten Analysen der berühmtesten Mineralquellen überzeugt, daß selbst die größten, selbst die ersten Chemiker unseres Zeitalters uns bei ihren Analysen der Mineralwasser noch sehr viel, gar sehr viel zu wünschen übrig ließen; und es ist gewiß nicht Anmaßung oder Stolz von unserer Seite, sondern reines Gefühl unserer Zerknirschung vor der Würde und dem Umfange der chemischen Wissenschaft, wenn wir hier erklären, daß uns bis zur Stunde auch nicht eine einzige Analyse irgend eines Mineralwassers bekannt ist, die den Forderungen eines strengen Physiko-Chemikers entsprechen könnte, und daß wir nicht einsehen, wie die Analyse einer einzigen Quelle ohne wenigstens zwei Jahre langen Aufenthalt an derselben und ohne Versuche, die den tüchtigsten Chemiker zwei Jahre lang vollauf beschäftigen können, möglich ist. Dieß ist die Meinung eines Fabrikanten. Die deutschen Fabrikanten werden ihre Mineralquellen benüzen, wenn sie verlässige Analysen derselben haben werden. A. d. Ue.