Text-Bild-Ansicht Band 37

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jener der destillirten Oehle sehr verschieden waren. Ich wollte bestimmen, ob die Salpetersäure auf dieselbe Weise auf mehrere flüchtige Oehle wirkte, die man auf verschiedene Weise bereitete, und fand, daß die farbeerzeugende Kraft (action chromagénésique) dieser Essenzen, die schon Hr. Bonastre studierte, in den ohne Wärme erzeugten frisch bereiteten Essenzen deutlicher sich zu erkennen gab, und nicht von dem wesentlichen Oehle abzuhängen schien, das wir kennen, sondern von einem anderen flüchtigen Stoffe, den wir noch nicht erhalten konnten. Bei dem gegenwärtigen Zustande unserer chemischen Kenntnisse würde es sehr schwer seyn die wichtige Frage aufzulösen: Warum gewisse wesentliche Oehle, die frisch bereitet wurden, mittelst verdünnter Salpetersäure sehr lebhafte Farben geben, während sie nach einigen Monaten nach ihrer Bereitung nur sehr blasse Farben liefern? Die Gegenwart oder Abwesenheit eines flüchtigen Grundstoffes in den wesentlichen Oehlen, der jedem vegetabilischen Individuum, aus welchem man dieselben erzeugte, besonders eigen ist, kann uns allein diese Erscheinung erklären, so wie die Gleichheit der Resultate der Analysen, welche die HHrn. Th. de Saussure und Houtou-Labillardière an flüchtigen Oehlen erhielten, die ganz verschiedene Riechstoffe besaßen. Ich werde hier nicht alle Versuche erzählen, die ich über diesen flüchtigen Grundstoff anstellte; ich werde sie bekannt machen, sobald ich neue Thatsachen über das Arom einiger Liliaceen, über Polyanthes tuberosa und Jasmin erhalten haben werde. Ich beschränke mich hier nur auf denjenigen Theil meiner Arbeit, der zunächst auf das Pomeranzenblüthe-Wasser Bezug hat, und verspare mir das Uebrige auf ein anderes Mal.

Ich hatte seit langer Zeit beobachtet, daß die Salpetersäure die Eigenschaft besizt, das Pomeranzenblüthe-Wasser rosenfarben, und hell oder karminroth zu färben, je nachdem man mehr oder weniger von derselben nimmt, und daß diese Färbung bei der wässerigen Auflösung des flüchtigen Oehles, das wir unter dem Namen Neroli kennen, nicht Statt hat, so wie auch nicht bei jenem Wasser, welches man durch Destillation der Pomeranzenblätter erhält. Ich war neugierig zu sehen, woher dieser Unterschied kommen mochte, und unterzog daher das Pomeranzenblüthe-Wasser folgenden Versuchen. Ich bin weit entfernt zu behaupten, daß ich dadurch meinen Zwek erreichte; ich gelangte jedoch durch dieselben auf jene Anwendungen, von welchen in diesem Aufsaze eigentlich die Rede ist.

Wirkung der Säuren, Alkalien, des Aethers und der fixen Oehle auf das Pomeranzenblüthe-Wasser.

I.

1) Wenn man einige Tropfen concentrirter Salpetersäure in eine geringe Menge gut bereiteten Pomeranzenblüthe-Wassers gießt, so