Text-Bild-Ansicht Band 37

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nimmt dieses nach einigen Minuten eine schöne Rosenfarbe an; wenn man etwas mehr Säure nimmt, so erscheint die rothe Farbe schneller und etwas dunkler; und wenn man so viel Säure als Wasser (dem Maße nach) nimmt, so entsteht eine schöne rothe Farbe, die sich mehrere Tage über unverändert erhält,325) und in das Karmesinfarbene übergeht, wenn man die Mischung etwas erhizt, oder wenn man zwei Theile Säure auf einen Theil Wasser nimmt.

2) Schwefelsäure, Phosphorsäure und Hydrochlorsäure verändern die Farbe des Pomeranzenblüthe-Wassers wenig oder gar nicht, je nachdem man mehr oder weniger von der Säure genommen hat; sie verwandeln sie nie in ein dunkles Rosenroth. Die im Handel vorkommende Schwefelsäure verwandelt sie sehr schnell in ein lichtes Rosenroth, läßt aber, nachdem man sie eine Zeit über kochen ließ, nur eine leichte Färbung zurük. Die auffallendere Wirkung im ersteren Falle scheint von der Gegenwart einer geringen Menge Salpetersäure herzurühren, die sich immer in der käuflichen Schwefelsäure findet, und von welcher sie nur zum Theile durch das Kochen befreit wurde.

3) Wenn man in einen Destillirkolben vier Theile und einen halben Pomeranzenblüthe-Wasser gibt, und die vier ersten Theile, die man durch die Destillation erhält, besonders abtheilt, so sind die beiden ersten Theile, welche übergehen, sehr reich an flüchtigem Oehle, haben einen starken, wenig angenehmen Geruch, und färben sich durch Salpetersäure sehr zart rosenfarben; der dritte Theil hat einen angenehmer, aber wenig starken Geruch, und wird von dieser Säure dunkel rosenroth; der vierte, weniger aromatisch, erhält durch dasselbe Reagens eine weniger dunkle Farbe. Der Rükstand ist gelblich, weniger riechend, sehr bitter, und färbt sich durch Salpetersäure, aber sehr schwach.

II.

1) Barytwasser, Potasche und Ammonium-Auflösung scheinen den aromatischen Bestandtheil im Pomeranzenblüthe-Wasser zu fixiren: wenn man dieses kochen läßt, so behält es die Eigenschaft, sich durch Salpetersäure rosenroth zu färben, desto länger. Der Rükstand gibt nach der Verdünstung einen sehr deutlichen Honiggeruch, wenn man ihn mit Alkali sättigt.

2) Die durch Salpetersäure im Pomeranzenblüthe-Wasser erhaltene Farbe verschwindet, wenn man dasselbe mit Alkali sättigt, und kommt durch neue Zuthat überschüssiger Säure neuerdings zum Vorscheine.

325)

Es verdient bemerkt zu werden, daß die Farbe sich schneller entwikelt, wenn man das Wasser auf die Säure gießt, als man leztere in kleinen Portionen zusezt. A. d. O.