Text-Bild-Ansicht Band 174

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von Ammoniak völlig frei gekochte Lösung wieder sauer wird und Thonerde löst, brachte R. Fittig auf den Gedanken, daß der Salmiak schon bei Kochhitze im Wasser sich zerlege und diese Muthmaßung ist durch specielle Versuche völlig bestätigt worden (Annalen der Chemie und Pharmacie, Bd. CXXVIII S. 189).

Es wurde völlig reiner, selbst dargestellter Salmiak mit allen erdenklichen Vorsichtsmaßregeln in reinem Wasser gelöst, mit Salzsäure angesäuert und nun einer Destillation unterworfen, bei welcher die Producte verdichtet und in bestimmten Intervallen untersucht wurden. Es wurde das Destillat mit gerötheter Lackmustinctur versetzt, die sich sogleich blau färbte, und mit titrirter Salzsäure neutralisirt; andererseits prüfte man den Retorteninhalt mit einer titrirten Natronlösung.

Es zeigte sich, daß, wenn man 10 Grm. Salmiak in 400 Kub. Cent. Wasser successiv bis auf 50 Kub. Cent. Rückstand abdestillirt hatte, sich so viel Ammoniak verflüchtigte, daß es 1/2 Proc. von dem im Salmiak enthaltenen ausmachte; daß ferner die größte Quantität desselben im Anfang der Operation fortgieng und daß nachher (nach den zweiten 30 Kub. Cent.) eine gewisse Constanz eintrat.

Diese Versuche beweisen noch schlagender als diejenigen von Pebal (polytechn. Journal Bd. CLXVIII S. 237) ein Zerfallen des Salmiaks in höherer Temperatur, da hier keine Diffusion durch Diaphragmen als Ursache des Zerfallens eingewendet werden kann. (Journal für praktische Chemie, Bd. XCII S. 379.)

Untersuchung von Farbstofflösungen im Sonnenspectrum; von Dr. Julius Haerlin.

Aus der deutschen Industriezeitung gieng in mehrere technische Zeitschriften13) ein Aufsatz über, betreffend eine neue Methode, die Intensität von Farbstofflösungen auf spectralanalytischem Wege zu untersuchen. Als Entdecker wurde Hr. Dr. Hugo Schiff genannt, welche Angabe jedoch zu berichtigen ist.

Das eigenthümliche Verhalten von Farbstofflösungen zum Sonnenspectrum ist längst bekannt, und stellte hierüber zuerst Brewster, dann J. Müller (Poggendorff's Annalen der Physik und Chemie, Bd. LXXII S. 76), später Hoppe-Seyler (Virchow's Archiv, Bd. XXVIII) Untersuchungen an; erstere behandelten rein physikalische Fragen, letzterer dagegen machte schon auf den praktischen Nutzen der Untersuchung der Farbstofflösungen mittelst des Sonnenspectrums aufmerksam, was mich hauptsächlich veranlaßte, eine Reihe von Farbstofflösungen in ihren verschiedenen Concentrationen zu untersuchen. Die Resultate dieser Untersuchungen veröffentlichte ich im August 1862 (Poggendorff's Annalen Bd. CXVIII S. 70). Das Verhältniß der Absorption der Lichtstrahlen zur Concentration stellte ich graphisch dar, und finden sich ebendaselbst die Absorptionscurven der Lösungen von: Rosein, Anilinblau, Anilinviolett, Blauholz, Fernambuk, Persio, Cochenille (alkalischer Auszug), Sandelholz, Indigo, Berlinerblau und Pikrinsäure.

Als die merkwürdigsten Resultate dieser Arbeit führe ich an:

1) Farbstoffe, welche in ihrer Mischfarbe in gewissen Concentrationen im weißen Lichte nicht wohl zu unterscheiden sind, können total verschiedene Einwirkung auf einzelne Theile des Spectrums haben;

2) nirgends zeigen sich so häufig kräftige Unterschiede in der Absorptionsintensität für benachbarte Spectraltheile als im Gelb und Gelbgrün;

3) besonders gute Erkennung gibt die Spectraluntersuchung für folgende Farbstoffe: rothe, violette und blaue Anilinfarbstoffe, Blauholz, Fernambuk, Persio, Lackmus, Cochenille, Murexid, Limarothholz, Alizarin, Sandelholz, Indigo, Berlinerblau, Drachenblut, Safran, Orlean, Pikrinsäure, Curcuma.

Waldau bei Heilbronn, im September 1864.

13)

Polytechn. Journal Bd. CLXXI S. 398.