Text-Bild-Ansicht Band 174

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entsprechen. In diesem Thurme ist die zum Aufsteigen bestimmte Vorrichtung an einer Kette aufgehängt, welche an dem höchsten Punkte über eine Rolle läuft. Am anderen Ende der Kette sind Gegengewichte angebracht, welche das Gewicht des leeren Apparats ziemlich ausgleichen. Dieser sogenannte Treppen-Omnibus gleicht im Inneren einem Eisenbahncoupe, das mittelst einer an der Decke befindlichen Lampe erleuchtet ist. Die erste Anwendung dieser Vorrichtung finden wir in dem sogenannten Colosseum, einem Londoner Vergnügungsort (berühmtes Diorama). Später wurde sie in mehreren großen Hotels angewendet.

Die aufsteigende Bewegung wird im Brighton-Hotel auf folgende Art erhalten: In der Mitte des gedachten Thurmes ist ein enger Brunnen abgeteuft (oder abgebohrt), der so tief ist, als der Thurm hoch. In diesem Brunnen steht ein eisernes dichtschließendes Rohr, worin sich ein zweites, ebenfalls unten geschlossenes Rohr auf- und abbewegt. Das innere Rohr läßt zwischen sich und dem äußeren einen Spielraum, ist dagegen an der Mündung durch eine wasserdicht schließende Stopfbüchse geführt. Der Kopf dieses Preßkolbens trägt den erwähnten Treppen-Omnibus.

Das nöthige Preßwasser wird durch eine 120 Fuß hoch stehende Cisterne geliefert. Von hier aus geht ein enges Rohr nach dem erwähnten Preßcylinder, und genügt daher die Drehung eines Hahnes in diesem Rohr, um den Apparat zum Steigen zu bringen. Es sind 5 solche Hebevorrichtungen vorhanden. Die erste dient zur Beförderung der Passagiere vom Parterre bis in den 5. Stock, etwa 56 Fuß. Etwa 10 Centner oder 8 Personen können dadurch auf einmal gehoben werden, und zwar die ganze Höhe in einer Minute. Die Kosten dieser einen Hebevorrichtung, excl. Wassercisterne, betrugen 600–650 Pf. St. Die zweite Vorrichtung hebt vom Keller bis in den 5. Stock 77 Fuß hoch; sie wird auf andere Art, nämlich durch eine Seiltrommel gehoben, die wiederum durch einen horinzontalen Cylinder und Kolben mittelst Wasserdruck in Bewegung gesetzt wird. Eine dritte Vorrichtung hebt den Wein aus dem Keller, eine vierte die Speisen aus der Küche nach dem Speisezimmer, eine fünfte nach den verschiedenen Stockwerken. Mittelst Sprachröhren sind die verschiedenen Stockwerke mit einander verbunden, und dadurch werden auch die Hebevorrichtungen dirigirt. Wo in den öffentlichen Wasserleitungen hinreichender Druck vorhanden ist, lassen sich solche hydraulische Hebevorrichtungen mit der größten Leichtigkeit beschaffen. Auchin Waarenlagern, für Läden in den oberen Stockwerken u.s.w. wären diese Vorrichtungen sehr zu empfehlen. (Mechanics' Magazine; Breslauer Gewerbeblatt, 1864, Nr. 21.)

Fabrication der gezogenen schmiedeeisernen Röhren in Wolverhampton (Staffordshire).

Als Rohmaterial dienen gewalzte flache Eisenschienen von etwa 10 Fuß Länge, einer etwas größeren Breite, als der Peripherie der Röhre entspricht und verhältnißmäßiger Dicke. Diese Schienen werden in einem Flammofen auf etwas mehr als die Hälfte ihrer Länge rothglühend gemacht und dann unter einer Art Stanze mit 5 Fuß langer, halbrunder Bahn halbrund gebogen, worauf sie unter derselben Stanze, aber einem anderen Theile ihrer Bahn, oben zusammengedrückt werden. Diese Stanze oder Presse wird wie eine Blechschere oder Luppenquetsche continuirlich durch Maschinenkraft auf- und niederbewegt. Wenn die eine Hälfte der Eisenschiene auf diese Weise ihre rohe Gestalt erhalten hat, kommt die andere Hälfte in's Feuer und wird ebenso bearbeitet. Alsdann kommt die rohe Röhre in den Schweißofen, welcher aus drei parallelen schmalen Herden von etwas größerer Länge als die der Röhren besteht. Er wird durch ein Gebläse von 5 oder 6 nebeneinander liegenden Formen seiner ganzen Länge nach auf Weißgluth erhalten. Die rohe Röhre kommt nach einander in alle drei Abtheilungen. Vor der dritten rotirt eine sehr starke Kette ohne Ende, welche durch Maschinenkraft bewegt wird. Die Greifzange, mit welcher die Röhre herausgezogen wird, wird in die Kette eingehakt und die jetzt weißglühende Röhre dadurch mitgenommen. So wie sie den Ofen verläßt, hat sie einen Ring zu passiren, welcher aus zwei getrennten Hälften besteht; die untere ist fest, die obere wird von einem Arbeiter an einem langen Hebelarm niedergedrückt. In diesem Augenblicke vereinigen sich die beiden Enden der zusammengebogenen Eisenschienen, welche ich bis jetzt rohe Röhre genannt habe,