Text-Bild-Ansicht Band 21

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wasserklar und farblos, aber doch ziemlich rauchend. Diese Säure brachte ich in eine gläserne Flasche mit eingeriebenem Stöpsel; so lange dieselbe voll war, erfolgte nichts von Bedeutung; als ich aber etwas davon herausgenommen hatte, und der oberste Theil der Flasche leer war, sammelten sich nach einigen Tagen an der inneren Wölbung einige Tropfen einer dunklen Substanz, welche mit der Zeit beinahe die Farbe des Harzes bekam. Ich suchte nun dieselbe herauszubringen, was mir auch gelang. Diese Substanz war sauer, schwarz und klebrig, so daß sie sich etwas schwer in derselben Schwefelsäure auflösen ließ. Ich wußte anfangs nicht, wie sie entstehen konnte, und da ich nicht glaubte, daß sich diese Substanz wieder bilden würde, so ließ ich die Flasche da, wo sie war; allein, gegen meine Vermuthung erschienen die Tropfen wie vorher; aus diesem Grunde goß ich, obschon ich überzeugt war, daß die Ursache nicht in Unreinigkeit der Flasche gelegen seyn konnte, weil dieselbe neu und gut gereinigt war, die Säure in eine andere ähnliche Flasche, und entfernte sie von dem Orte, wo sie bisher stand, indem ich im Zweifel war, ob nicht andere Substanzen, welche sich ebenfalls an diesem Orte befanden, durch ihre Verwandtschaft zu dieser Erscheinung beigetragen haben konnten; ich stellte die Flasche daher an einen Plaz, wo ich sicher war, daß kein anderer Körper, als die atmosphärische Luft, an dem Entstehen dieser Erscheinung Antheil haben könnte; allein auch hier erfolgte das bereits Angegebene.

Diese Erscheinung wurde, soviel ich weiß, noch von Niemand beobachtet, indem Thenard allein bei Gelegenheit, wo er von der Schwefelsäure spricht, sagt: „daß sie weder bei der gewöhnlichen Temperatur, noch erhizt auf das Sauerstoffgas und auf die atmosphärische Luft wirkt, indem sie aus diesen gasförmigen Flüßigkeiten bloß den darin enthaltenen Wasserdampf anzieht, und zwar in dem Maße, daß ihr Gewicht dadurch verdoppelt wird. Dieß erfolgt (sagt er) nach einigen Tagen, wenn man die Säure in einem Schüsselchen dem freien Zutritte der Luft aussezt; zu bemerken ist, daß die Säure, während sie diese große Menge Wasserdampf aus der Luft anzieht, wenn sie vorher auch wasserklar und ungefärbt war, gelb wird; diese Färbung rührt davon her, daß vegetabilische oder animalische Theile, welche in der Luft herumfliegen, in die Säure fallen,