Text-Bild-Ansicht Band 21

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Boden oder nahe an demselben, die andere minder gefärbte aber oben.

Die Resultate der angeführten Versuche scheinen mir wichtig genug, um die Wirkung der Nordhäuser Säure auf die vegetabilischen oder animalischen Ausdünstungen zu beweisen. Die stärkere Schwärzung der Säure, welche mit der faulen Ausdünstung in Berührung stand, läßt sich nur diesen Dünsten zuschreiben, welche von der Säure aufgesogen und verbrannt wurden; indem die rauchende Säure weder auf den Stikstoff, noch auf den Kohlenstoff, noch auf irgend eine andere Substanz wirkt, welche sich bei der Fäulniß entwikelt, wenn man sie einzeln darauf wirken läßt; sie wirkt auch nicht auf eine gewöhnliche Verbindung derselben, wie das Ammonium ist; nie erhält man dadurch die oft erwähnte gefärbte Substanz, so daß folglich die Färbung bloß durch die Wirkung der Säure auf die faulen Dünste hervorgebracht wird.

Da die Abscheidung der Säure in verschieden gefärbte Schichten auch zum Beweise beiträgt, daß die Färbung von organischen Ausdünstungen herrührt, so wollen wir nicht weiter gehen, ohne auch über diese sonderbare Erscheinung etwas zu sprechen. Die rauchende Säure zieht aus der Luft den Wasser-Dampf und zugleich die in demselben enthaltenen organischen Flüßigkeiten an. Dieses Einsaugen der Säure erfolgt auf der Oberfläche derselben. Da nun die Säure durch Anziehen von Wasser specifisch leichter wird, so befindet sich oben eine Schichte Säure, welche verdünnt, und daher leichter ist, als die untere; allein, während die Säure den Wasserdampf anzieht, nimmt sie zugleich auch die organischen Dünste auf, welche, indem sie zersezt werden, ein größeres specifisches Gewicht annehmen, als die auf der Oberfläche befindliche verdünnte Säure; auf diese Weise sinken sie unter, und sezen sich da ab, wo die Säure dichter ist; ein Beweis hiervon ist auch das, daß die schwarze Schichte, welche sich in dem mit der Gloke bedekten Flaschchen befand, nach und nach zu Boden sank, und sich hierauf gleichmäßig in der ganzen Masse vertheilte, nachdem alle Säure einen gleichen Grad von Dichtheit erlangt hatte.51)

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Bei allen diesen Versuchen war Hr. Steph. Marianini, Prof. der Physik, der mich öfter bei meinen Arbeiten mit seiner Gegenwart beehrt, zugegen.