Text-Bild-Ansicht Band 21

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Da ich überzeugt war, daß die Verdunkelung der Säure von der Anziehung und Zersezung der organischen Ausdünstungen herrühre, und daß die, in dem angeführten Versuche erwähnten, schwarzen Tropfen ebenfalls aus dieser organischen Substanz in Verbindung mit der bereits vorher durch Wasser verdünnten, Säure bestünden, so schien es mir, daß die Wirkung der Säure auf diese Tropfen um so größer seyn müßte, wenn ich dieselbe in Dampf-Gestalt auf eine größere Menge davon wirken lassen würde52); deßwegen erhizte ich das Fläschchen so lang, bis sich häufige Dämpfe der Säure erhoben, worauf ich bemerkte, daß die Tropfen, welche eine kastanienbraune Farbe besaßen, in wenigen Augenbliken schwarz wie Ruß wurden. Dieser Versuch bestätigte mir nicht bloß, daß es die organische Substanz ist, welche die Säure färbt, sondern überzeugte mich auch von der besonderen Wirkung der Säure auf dieselbe.

Es ist schon längst bekannt, daß die Farbe der rauchenden sächsischen Schwefelsäure durch Sieden verschwindet, und daß man dieselbe dadurch wasserklar erhalten könne; allein nie wurde sorgfältig untersucht, welche Natur die Substanz besizt, die beim Sieden verloren geht; ich, trachtete daher durch einige Versuche mir Aufklärung über diesen Umstand zu verschaffen.

52)

Immer ist es die Säure in Dampf-Gestalt, welche die organischen Flüßigkeiten anzieht, und welche die oft erwähnten Tropfen in den Zustand einer kohligen Substanz versezt; deßwegen ist es auch ganz natürlich, daß eine größere Menge dieses sauren Dampfes eine noch größere Wirkung hervorbringt. Ich bemerkte, daß bei der gewöhnlichen Temperatur in dem leeren Raume der Fläschchen, in welchen sich Schwefelsäure befindet, immer eine Atmosphäre von saurem Dampfe ist, der sehr große Verwandtschaft zum Wasser zu besizen scheint. Ich befestigte im Grunde einer Gloke einen mit Lakmuß gefärbten Papierstreifen, und stürzte dieselbe über ein Fläschchen, in welchem sich Schwefelsäure befand; in wenigen Minuten war der Papierstreifen ganz roth gefärbt, obwohl er mehr als 22 Zoll von der Säure entfernt war; die Färbung des Lakmußpapieres erfolgte noch viel schneller, wenn dasselbe befeuchtet war, was zu beweisen scheint, daß der saure Dampf nicht mit Feuchtigkeit gesättigt war, was vielleicht daher kommen mag, daß er, indem er in jener Atmosphäre zuerst dem Wasserdampfe begegnet, und sich mit demselben verbindet, zur gewöhnlichen Säure wird, und dann als eine, so wenig Feuchtigkeit enthaltende, Säure nicht in elastischem Zustande bleiben kann.