Text-Bild-Ansicht Band 21

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Da sich beim Sieden der Säure keine gasförmigen Flüßigkeiten erheben, welche uns auf die Natur der färbenden Substanz der Säure schließen lassen, und da sich in derselben nichts ausfindig machen läßt, dem diese Eigenschaft zugeschrieben werden könnte, so versuchte ich die Säure künstlich mit vegetabilischen und animalischen Substanzen zu färben, und die Wirkung des Siedens auf diese Säure auszumitteln. Ich brachte daher in vollkommen wasserklare Säure einige vegetabilische Substanzen, welche derselben die Farbe der gewöhnlichen käuflichen Säure gaben; um diese Farbe zu erhalten, sind sehr geringe Mengen, wie z.B. Bruchtheile eines Granes auf 3–4 Unzen Säure hinreichend. Ich erhielt diese gefärbte Säure durch Kochen während einiger Minuten jedes Mahl farblos, so daß es schien, als wäre sie nie durch irgend eine Substanz gefärbt gewesen. Nachdem ich auf diese Weise gefunden hatte, daß die, der Säure durch vegetabilische Substanzen mitgetheilte, Farbe durch das Feuer verloren geht, so wollte ich auch mit animalischen Stoffen, wie mit Muskelsubstanz, Faserstoff, Gallerte, Fett, Knochen, Federn und dergl. Versuche anstellen; ich fand, daß die, durch diese Körper hervorgebrachte, Färbung durch Sieden ganz verloren geht; nur ist zu bemerken, daß einige derselben die Säure mehr färben als andere; die Fette z.B. theilen derselben auch in der geringsten Menge eine ziemlich dunkle Farbe mit, welche durch Sieden nicht mehr ganz verschwindet, sondern eine etwas strohgelbe Färbung zurükläßt, daher darf man dieselben nur in der geringsten Menge anwenden, wie zu 1/10 oder 1/12 Gran auf 4 Unzen Säure, wenn man will, daß auch keine Spur der Färbung zurükbleiben soll. Federn, Gallerte und Knochen hingegen färben die Säure nur wenig, so daß sie dadurch kaum die Farbe der käuflichen Säure erhält; sie verliert auch durch Sieden ihre Farbe wieder ganz, so daß sie wasserklar wird.53)

Ich muß hier noch bemerken, daß die, bei diesen Versuchen angewendete, Säure durch Sieden, und nicht durch Destillation,

53)

Wenn man Stükchen von Muskeln, Federn, Hausenblase etc. auf die Säure wirft, so entstehen dadurch dieselben sonderbaren Bewegungen, welche der Kampfer und andere Substanzen auf der Oberfläche des Wassers zeigen; die Drehungen sind unbestimmter, wenn die Säure erhizt ist, denn dann geschieht die Zersezung schneller.