Text-Bild-Ansicht Band 21

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Als im Jahre 1801 die französische Consular-Regierung zu Paris eine militärisch-topographische Karte von Bayern verlangte, und der französische Oberst und Ingenieur-Geograph Bonne die Messung wirklich begann, fehlte es allenthalben an guten Meß-Instrumenten. Der bayerische Hr. Artillerie-Hauptmann Georg Reichenbach, welcher früher auf den Antrag des berühmten Grafen von Rumford – durch die Unterstüzung des Churfürsten Carl Theodor – nach England zu seiner weiteren Ausbildung geschikt wurde, und unter andern dort auch große Werkstätten zur Verfertigung mathematischer Instrumente sah, faßte bald nach seiner Zurükkunft von England den Entschluß, durch die Errichtung einer solchen Werkstätte in Bayern sein Glük zu versuchen; er verband sich für diesen Zwek mit Hrn. Jos. Liebherr, welcher damahls schon als ein fähiger Uhrmacher und Mechaniker bekannt war, und bereits eine Werkstätte in München besaß. Die Herren Reichenbach und Liebherr – auf diese Weise mit einander vereinigt – äußerten mir den Wunsch: ich solle mich entschließen, ihrer kleinen Werkstätte eine größere Ausdehnung zu geben, und ein ordentliches Institut zur Verfertigung allerlei großer und kleiner Instrumente und Maschinen, so, wie sie in England hervorgebracht werden, mit ihnen zu gründen. – Ich weigerte mich nicht, mit ihnen für diesen Zwek in eine Verbindung um so mehr zu treten, als aus einem solchen Institute seiner Zeit junge tüchtige Mechaniker hervorgehen könnten, woran Bayern großen Mangel hatte. Der Gesellschafts-Vertrag hierüber kam am 20ten August 1804 unter uns zu Stande. – Das mathematisch-mechanische Institut: Reichenbach, Utzschneider und Liebherr begann seine Geschäfte mit großer Thätigkeit, – mehrere große Meß-Instrumente wurden bestellt, auf der Reichenbach – Liebherr'schen neu erfundenen Theilmaschine getheilt, und bis auf die Gläser vollendet, so, daß ein großer Vorrath von fertigen Instrumenten sich sammelte, welche aber nicht verkäuflich waren, weil sie ohne Gläser nicht gebraucht werden konnten; es fehlte an brauchbarem Flint- und Crown-Glase, und überdieß noch an einem fähigen Optiker. – Das ganze neu errichtete mathematisch-mechanische Institut hätte unterliegen müssen, wenn diesem Mangel nicht ohne Zeitverlust abgeholfen worden wäre. Ich säumte nicht, eine Reise zu unternehmen, um nicht allein die wirklich arbeitenden Optiker auf allen Pläzen, sondern auch