Text-Bild-Ansicht Band 21

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die Crown- und Flintglasgattungen kennen zu lernen, deren sie sich bei Verfertigung ihrer optischen Werkzeuge bedienten. Aus den während dieser Reise gesammelten Erfahrungen ging hervor, daß unser neu errichtetes Institut in Bezug auf die Optik keinen andern Ausweg habe, als das Crown- und Flintglas sich selbst zu erzeugen, und den Optiker sich selbst zu. bilden. – Auf dieser Reise lernte ich in der Grafschaft Neufchatel einen Optiker Per. Ludw. Guinand kennen, welcher ehemals mit der Erzeugung von Flintglas sich beschäftigte, diese Fabrikation aber wieder aufgab, weil andere Arbeiten ihn besser nährten; er zeigte mir seinen verfallenen Flintglasofen, und machte mir allerlei Bemerkungen über die Bereitung dieser Glasart; ich fand an Hrn. Guinand einen Mann, welcher seine Versuche bei der Erzeugung des Flintglases nicht konsequent durchführte, hatte also nicht die Absicht, denselben zur Glasfabrikation in Benediktbeurn anzuwerben; allein Herr Guinand machte sich nach meiner Abreise auf gut Glük reisefertig, und kam beinahe früher in Benediktbeurn an, als ich dahin zurükkehrte. Indessen mißfiel mir sein Eifer nicht, und bewog mich, mit dem Baue des Flintglas-Schmelzofens gleich anzufangen, um alsdann mit Hrn. Guinand die Versuche zur Flint- und Crown-Glaserzeugung nach einem zwekmäßigen Plane zu beginnen. In den Jahren 1806 und 1807 war der Flintglas-Schmelzofen immer in Thätigkeit, und ich unternahm auch, einen eigenen Ofen für die Erzeugung des Crownglases zu bauen.

So kostbar diese Unternehmung in der ersten Anlage, und in den vielen Versuchen war, so erhielten wir zur Ausrüstung unserer bereits getheilten, aber blinden Meß-Instrumente in München manches brauchbare Stük Flint- und Crown-Glas.

Dieses waren meine ersten Schritte zur Erzeugung des Flint- und Crown-Glases in Benediktbeurn, während die zwei Optiker Jos. Niggl und Jos. Fraunhofer im Institute Reichenbach, Utzschneider und Liebherr zu München anfingen, die ihnen zugekommenen Gläser zu schleifen und zu poliren.

Hr. Jos. Niggl – zu Vogtareit ohnweit Wasserburg am Inn gebohren – hatte Gelegenheit, im Kloster Rott auf der dortigen sogenannten Sternwarte sich mit den Anfangsgründen der Optik bekannt zu machen; er wurde gleich nach der Gründung unsers mathematisch-mechanischen Institutes als talentvoller Optiker durch meinen Freund Hrn. Professor Ulrich Schiegg