Text-Bild-Ansicht Band 21

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mir empfohlen, und in unsere Werkstätte als solcher eingeführt; allein mit seiner Stellung nicht zufrieden, verließ er mit Ende des Jahres 1807 freiwillig unser Institut wieder, und hat sich später als Optiker in München ansäßig gemacht.

Bei dem Austritte des Hrn. Jos. Niggl war mein Augenmerk auf Hrn. Jos. Fraunhofer ganz allein gerichtet. Fraunhofer war der Sohn eines Glasers zu Straubing in Bayern, und den 6ten März 1787 gebohren. Sein Vater hielt ihn schon sehr früh zu dem Handwerke eines Glasers an, wodurch der Schulbesuch vernachläßigt wurde. In seinem 11ten Jahre war Fraunhofer älternlos, und wurde zuerst von seinem Vormünder zu dem Metier eines Drehers bestimmt; nach einiger Zeit zeigte sich aber, daß er einer so schweren Arbeit unterliegen würde; man brachte ihn daher im August 1799 als Lehrjung nach München zu Hrn. Philipp Weichselberger, Hofspiegelmacher und Glasschleifer. Da kein Lehrgeld für ihn bezahlt wurde, mußte er sich verbindlich machen, sechs Jahre lang ohne Lohn zu arbeiten. Weil ihm nicht erlaubt war, die Feiertagsschule ordentlich zu besuchen, so blieb er im Schreiben und Rechnen beinahe ganz unkundig. Im zweiten Jahre seiner Lehrzeit ereignete sich im Jahre 1801 ein Unglük, welches die erste Veranlassung zu Fraunhofers nachheriger Bestimmung gab.

Den 21. Juli des benannten Jahres stürzten in München im Thierekgäßgen zwei Häuser plözlich zusammen, in deren Einem der Lehrjung Fraunhofer wohnte, und im Schutte begraben wurde. Glükliche Umstände mancherlei Art wirkten so zusammen, daß Fraunhofer am Leben blieb, und daß man im Innern des uneingestürzten Theiles des Hauses von unten durch eine Thüre eine Art Schacht aufschließen, und mit Lochsägen durch die eingestürzten Balken und Bretter eine Oeffnung machen konnte, durch welche man ihn nach vierstündiger Arbeit ohne eine gefährliche Beschädigung an's Tageslicht brachte. Wäre nicht sein Kopf im Innern des Schuttes durch Kisten, die sich stüzten, so weit frei geblieben, daß er rufen konnte, und wäre er nicht glüklicher Weise so gefallen, daß man von der genannten Thüre aus zu ihm graben konnte, so hätte man ihn erst nach mehreren Tagen gefunden, wie die im Momente des Einsturzes nur fünf Schuh tiefer von ihm liegende Frau seines Lehrherrns, welche todt blieb.

Unser König Maximilian Joseph, – (damahls noch