Text-Bild-Ansicht Band 21

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Churfürst) – immer gewohnt, den Unglüklichen Hülfe zu leisten, – kam öfters zu der Oeffnung, an welcher man nach dem Knaben grub, und ermuthigte durch Zurufen sowohl diesen als auch die Arbeiter, welche sich selbst der Gefahr aussezten, verschüttet zu werden. – Maximilian Joseph befahl, für die Heilung des Knabens möglichste Sorge zu tragen, und ließ ihn nach seiner Wiederherstellung zu sich rufen, um ihn über seine Empfindungen und Gedanken während des Verschüttens, und über seine Verhältnisse zu befragen. Bei dieser Gelegenheit beschenkte ihn Maximilian Joseph mit achtzehn Stük Dukaten, und versprach dem verwaisten Knaben Vater seyn zu wollen, im Falle ihm etwas mangle.

Nach dem Einsturze des Hauses, wo ich Fraunhofer, als er aus dem Schutte hervorgebracht wurde, zum erstenmahl sah, besuchte ich ihn einige Mahl; er zeigte mir unter Andern auch das Geldgeschenk, das er von dem allerhöchstseligen Könige Maximilian Joseph erhielt, und rechnete mir vor, wie er diese für ihn große Summe nüzlich verwenden wolle? – er ließ sich eine Glasschneid-Maschine machen, und schliff an Feiertagen optische Gläser, stieß aber auf allerlei Hindernisse, weil ihm Theorie und Mathematik überhaupt mangelte. – Ich brachte ihm Clemm's und Tanzer's mathematisches Lehrbuch, und nannte ihm einige über die Optik erschienenen Bücher von Kästner, Klügel, Priestley etc. In diesen Büchern fand er, daß zu ihrem Studium die Kenntniß der reinen Mathematik durchaus nöthig sey; daher er auch diese mit der Optik zu studiren anfieng, und mit dem größeren Theile ihrer Elemente durch die Optik bekannt wurde. – Neben diesen Hindernissen hatte er auch noch mit andern zu kämpfen; sein Lehrmeister, welcher bei Fraunhofer die Bücher gewahr wurde, untersagte ihm das Studium derselben; andere Personen, die er während der Zeit, als ich ihn wegen meines Aufenthaltes auf dem Lande nicht mehr sah, über diesen Gegenstand befragte, gaben ihm keine Hoffnung, diese Wissenschaft ohne mündlichen Unterricht, und fast ohne des Schreibens kundig zu seyn, studiren zu können. Um so größer wurde aber Fraunhofers Anstrengung, dem gewünschten Ziele sich zu näheren. Ungeachtet er in seinem Schlafzimmer, welches ohne Fenster war, des Nachts kein Licht brennen durfte, und er nur an den Feiertagen außer dem Hause einige Stunden studiren konnte, so war