Text-Bild-Ansicht Band 21

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er dennoch bald mit der mathematischen Optik bekannt, und suchte von ihr Gebrauch zu machen. Damit er die Feiertage ganz für sich erhielt, und um nicht mehr gehindert zu werden, in der Feiertagsschule Schreiben zu lernen, verwendete er den Rest seines Geldes eines Theils dazu, um seinem Lehrmeister das lezte halbe Jahr der Lehrzeit abzukaufen, andern Theils, um aus der Verlassenschaft des Hrn. Generals Grafen von Salern eine optische Schleifmaschine sich eigen zu machen. Ohne jemahls Graviren gesehen zu haben, fing er an, in freien Stunden in Metall zu graviren, um Möbel zum Pressen erhabener Visiten-Karten zu verfertigen in der Absicht, sich dadurch nebenher etwas Geld zu seinen Versuchen verdienen zu können.

Der eben ausgebrochene Krieg, die Ueberfüllung der Stadt mit fremden Truppen etc. – verhinderten den Absaz der Visiten-Karten. – Dadurch, und durch andere Widerwärtigkeiten kam Fraunhofer für seine Existenz in größere Verlegenheit, als er früher jemahls war; er hatte den Muth nicht, sich dem Könige zu nähern, um von seiner bei Gelegenheit des Hauseinsturzes angebotenen Großmuth Gebrauch zu machen; in dieser traurigen Lage widmete er sich nun wieder ganz dem Metier eines Spiegelmachers und Glasschleifers, verwendete jedoch die Feiertage auf das Studium der Mathematik.

Während dieser Kriegszeit war ich auf meinen Besizungen, vorzüglich in Benediktbeurn, sehr in Anspruch genommen, so, daß mir keine Zeit übrig blieb, mich um Fraunhofer und um dessen Fortschritte in der Mathematik und Optik zu erkundigen. Ich ersuchte daher meinen Freund Hrn. Prof. Ulrich Schiegg, mit Fraunhofer sich bekannt zu machen, und ihn zu prüfen.

Der edle Schiegg entsprach meinem Wunsche, und gab sich mehrere Tage mit Fraunhofer ab, um ihn genau kennen zu lernen; er fand ihn in einer dürftigen Lage, und munterte ihn auf, mich zu besuchen; Fraunhofer kam mit einiger Schüchternheit zu mir, weil er glaubte, ich wäre mit ihm unzufrieden, indem ich ihn so lange Zeit nicht mehr sah, und weil er hörte, daß ich dem Optiker Hrn. Niggl, welcher in unserem Institute arbeitete, in einem hohen Grade zugethan war. – Indessen wurden Fraunhofer und ich nach einer kurzen Unterredung mit einander über unsere Verhältnisse ganz einig; Fraunhofer trat als Optiker neben Hm. Niggl in