Text-Bild-Ansicht Band 21

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festgesezt, daß von dem neu gegründeten optischen Institute die Katoptrik vor der Hand ausgeschlossen werden müsse, um Hrn. Fraunhofer in seinen optischen Arbeiten für das mathematisch-mechanische Institut in München nicht zu zerstreuen.

Eine der schwierigsten Aufgaben in der praktischen Optik ist bekanntlich das Poliren der sphärischen Flächen großer Objektive in dem Grade genau, wie die Theorie es voraussezt, weil durch das Poliren diese Flächen die Gestalt zum Theil verlieren, welche sie im Schleifen erhalten.

Hr. Fraunhofer erfand nun eine Polirmaschine, mit welcher nicht nur die Form der Objektivflächen nicht verdorben wird, sondern auch noch die unvermeidlichen Fehler des Schleifens in jeder Beziehung verbessert werden können, und bei welcher die Genauigkeit weniger von der Geschiklichkeit des Arbeiters abhängt. Derselbe Fall ist es mit den von ihm für andere optische Zweke erfundenen Schleif- und Polirmaschinen.

Hr. Fraunhofer war bemüht, das Glas, dessen er sich bediente, in Bezug auf die Wellen und Streifen, die es enthält, durch welche das Licht unregelmäßig gebrochen, und zerstreut wird, auf eine neue Art zu untersuchen, und fand auf diese Weise, daß oft im Flintglase, welches wir bisher zu Benediktbeurn erzeugten, nicht ein von Wellen und Streifen ganz freies Stük anzutreffen war; er fand, daß die verschiedenen Stüke von einer und derselben Schmelze im Brechungs-Vermögen sehr verschieden waren, welches beides zwar bei dem englischen, und besonders bei dem französischen Flintglase in einem noch höheren Grade der Fall ist. Da unter diesen Umständen die Hoffnung, vollkommnere und größere Objektive zu erhalten, als die waren, deren man sich bis dahin bediente, nicht hatte genährt werden können, so ersuchte ich im September des Jahres 1811 Hr. Fraunhofer, auch die Glas-Schmelzarbeiten des Hrn. Guinand unter seine Aufsicht zu nehmen, alle Schmelzen mitzumachen, und die mir vorgeschlagenen Verbesserungen am Schmelzofen vorzunehmen, auch die hierzu nöthigen Werkzeuge und Maschinen ungesäumt verfertigen zu lassen. Die zweite Schmelze, welche Fraunhofer machte, zeigte uns, daß man Flintglas erhalten kann, wo selbst ein Stük vom Boden des zwei Centner enthaltenden Schmelztiegels genau dasselbe Brechungs-Vermögen hat, als eines von der Oberfläche desselben. Die folgenden Schmelzen jedoch, obschon genau