Text-Bild-Ansicht Band 21

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auf dieselbe Weise gemacht, waren sowohl in Hinsicht des gleichen Brechungs-Vermögens, als auch in Hinsicht der Wellen und Streifen unbrauchbar. Erst nach längerer Zeit erhielt er wieder einige gelungene Schmelzen; aber auch jezt war es noch zufällig, und erst nach sehr vielen im Großen (jedesmahl mit vier Centnern), angestellten Versuchen, wurde er mit den vielen Ursachen bekannt, welche das Mißlingen veranlassen, und dann erst war er seiner Sache gewiß. Hätte er nicht früher schon gelungene Schmelzen gemacht, und hätte er seine Versuche nicht im Großen angestellt, so hätte er bei Verfolgung derselben aus den Schwierigkeiten, die sich aufdekten, schließen müssen, daß es unmöglich sey, eine große völlig homogene Masse Flintglas zu erhalten.

Auch das englische Crownglas, so wie das deutsche Spiegel- und Tafelglas, enthält, wie Hr. Fraunhofer fand, Streifen oder Wellen, welche das Licht unregelmäßig brechen. Da in einem größeren und dikeren Glase mehr dieser Streifen enthalten seyn müssen, es aber der umgekehrte Fall seyn muß, wenn bei größeren Fernröhren ihre Wirkung zunehmen soll, so würde dieses Glas für große Objective nicht brauchbar seyn. Deßwegen rieth Fraunhofer von nun an auch alles Crownglas selbst zu schmelzen. Bei diesen im Großen angestellten Versuchen stieß er auf Schwierigkeiten anderer Art, welche erst nach einigen Jahren völlig besiegt wurden. Hr. Fraunhofer fand, daß, wie genau man auch der Theorie, welche man für die beste Construktion achromatischer Objective gegeben hatte, in der Ausführung Folge leisten mochte, ihre Wirkung dennoch nie der Erwartung völlig entsprach. Eines Theils fand er die Ursache darin, daß die nur genäherten Formeln für Objective, in welchen man, um brauchbare algebraische Ausdrüke zu erhalten, z.B. die Dike der Gläser, die höheren Potenzen der Oeffnung etc. vernachläßigen müßte, keine hinreichende Genauigkeit geben; andern Theils lag die Ursache darin, daß die Größen, welche bei der Berechnung achromatischer Objective als genau bekannt vorausgesezt werden müssen, d.i. die Exponenten der Brechungs- und Farbenzerstreuungs-Verhältnisse der Glasarten, welcher man sich bedient, durch die bisher bekannten Mittel nicht mit hinreichender Genauigkeit bestimmt werden können. Das erste Hinderniß besiegte Fraunhofer, indem er bei der Berechnung einen neuen Weg einschlug, auf welchem