Text-Bild-Ansicht Band 21

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keine Größe vernachläßigt wird, und jede Genauigkeit erreicht werden kann. Uebrigens geschah die Berechnung achromatischer Objective bisher nur für Strahlen, welche von einem in der Axe der Gläser gelegenen Puncte kommen. Fraunhofer berüksichtigte auch noch die Abweichung für jene Puncte, welche außerhalb der Axe liegen, und bei seinen Objectiven ist diese ein Minimum.

Dieses ist zum Theil die Ursache, weßwegen die Construktion seiner Objective von jenen der englischen ganz verschieden ist. Die Ursache, weßwegen das Brechungs- und Farbenzerstreuungs-Vermögen der Materien bisher nicht mit Genauigkeit bestimmt werden konnte, liegt größten Theils darin, daß das Farbenspektrum keine scharfen Gränzen hat, und daß auch der Uebergang von einer Farbe in die andere nur allmählig geschieht, daher bei größeren Spektren die Winkel der Brechung nur auf 10 oder 15 Minuten genau gemessen werden konnten. Diesem Hindernisse zu entgehen, machte Hr. Fraunhofer eine Reihe von Versuchen: ein homogenes Licht künstlich hervorzubringen, und da ihm dieses direkt nicht gelang, so erfand er einen Apparat, durch welchen es mit Lampenlicht und Prismen hervorgebracht wurde. Im Verlaufe dieser Versuche entdekte er die fixe helle Linie, welche im Orange des Spektrums sich findet, wenn es durch das Licht des Feuers hervorgebracht wird, welche Linie ihm nachher zur Bestimmung des absoluten Brechungs-Vermögens der Materien gedient hatte. Die Versuche, welche Fraunhofer machte, um zu erfahren, ob das Farbenspektrum vom Sonnenlichte dieselbe helle Linie im Orange enthält, wie das vom Lichte des Feuers, führten ihn auf die Entdekung der unzähligen dunkeln fixen Linien in dem aus vollkommen homogenen Farben bestehenden Spektrum vom Sonnenlichte, welche Entdekung wichtige Folgen hatte, und durch welche allein es möglich wurde, den Weg des Lichtes für alle Farben-Nüancen mit Winkel-Instrumenten völlig genau und direkt zu verfolgen. Fraunhofer hat diese und andere hierauf Bezug habende Versuche in einer Abhandlung beschrieben, welche im fünften Bande der Denkschriften der k. bayerischen Akademie der Wissenschaften gedrukt erschienen ist. Die Akademie erwählte ihn hierauf im Jahre 1817 zu ihrem Mitgliede. Die genannten Resultate gaben Hrn. Fraunhofer die Veranlassung, außer der Refraktion und Reflexion auch noch über andere Geseze des Lichtes sine Reihe von Versuchen anzustellen, was durch die vorhergegangenen