Text-Bild-Ansicht Band 21

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63).

Ich von meiner Seite kann meinem unvergeßlichen Fraunhofer kein lebendigeres Denkmahl sezen, als daß ich alle meine Kräfte aufbiethe, um das optische Institut, so wie es unter seiner Leitung gegründet worden, auch für die Zukunft zu erhalten. Die Arbeiten in demselben werden nach der Richtung, die Fraunhofer bezeichnete, fortgesezt. Ein Refraktor, gleich dem, welcher im Jahre 1824 an die Sternwarte zu Dorpat von unserm optischen Institute abgeliefert worden, wird in kurzer Zeit vollendet werden; ein größerer parallaktischer Refraktor von 12 Pariserzoll Oeffnung des Objectives, und von 18 Fuß Brennweite, von der bayer'schen Regierung bestellt, ist auch bereits in Arbeit genommen, und wird in der von der königl. bayer. Regierung bestimmten Zeit zur Aufstellung fertig seyn; an dem Mechanismus dieses Instrumentes werden nach Fraunhofers Angabe Verbesserungen angebracht werden.

Die optischen Instrumente, welche bisher aus dem optischen Institute Utzschneider und Fraunhofer hervorgingen, werden auch fernerhin nach dem hier beigefügten Verzeichnisse verfertigt.

Wir wollen nach dem Beispiele Fraunhofers die Lehre des Römers im Auge behalten:

Quod si hominibus bonarum rerum tanta cura esset: quanto studio aliena ac nihil profutura, multumque etiam periculosa petunt; neque regerentur magis, quam regerent casus, et eo magnitudinis procederent, ubi pro mortalibus gloria aeterni fierent.

Geschrieben München im Juni 1826.

J. v. Utzschneider.

63)

„Ritter von Fraunhofer war, in seiner Sphäre, als Mathematiker und Techniker, ein Genie ersten Ranges, das nicht bloß den Mangel früherer Bildung schnell zu ersezen, sondern auch die wunderseltene Gewandtheit besaß, den höchsten, den feinsten mathematischen Calcul mit der leichtesten und bequemsten praktischen Ausführbarkeit zu verbinden. Es hat größere Mathematiker nach Hunderten gegeben, und geschiktere Glasmacher und Glasschleifer als Fraunhofer: es gab aber keinen Mathematiker von Frauenhofers Range, der so geschikt, wie er Glas gebildet und geschliffen, und keinen Glasmacher und Glasschleifer, der ein so feiner Mathematiker, wie er gewesen wäre. In dieser eben so seltenen als glüklichen Verbindung zweier, sonst nur getrennt vorkommenden, Fähigkeiten liegt die Größe des Genies Fraunhofer's, als Optiker, und die Unsterblichkeit seiner Meisterwerke: nur dadurch konnte er refixa coelo devocare sidera.“

„Es kommt uns, da wir jener Akademie nicht angehören, die an Fraunhofer und Reichenbach ihre Koryphäen verlor, nicht zu, das Publikum nach akademischer Sitte mit einer Lobrede auf den Verstorbenen zu trösten. Wer ein Bayer ist, wird sich durch keine schön gesezte akademische Lobrede auf den so eben Verblichenen trösten lassen: er wird aber den unersezlichen Verlust eines Mannes sehr tief fühlen, von dem die Sternwarten des Auslandes, die der Skythen sogar sich mit seinen unerreichbaren Instrumenten zu versehen eilten.“