Text-Bild-Ansicht Band 21

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zu reisen; mittelst der 7 Dampfbothe, die jezt zwischen Montreal und Quebec täglich hin und her gehen, hat man die Entfernung von 180 engl. Meilen in 4 Tagen hin und her zurükgelegt. Die Lady Sherbrook ladet 800 Tonnen; der Malsham 600; die übrigen sind leichter; alle aber sind bloß für Fracht, da sich nur wenige Reisende finden, obschon diese außerordentlich gut, man darf sagen köstlich, gehalten sind; man frühstükt um 8 Uhr, um Mittag ist Inbiß, um 4 Uhr üppige Tafel, um 8 Uhr Thee, und man sizt, nach Canadischer Sitte, lang beim Weine. Die Capitäne sind alle, wie Prälaten, gemästet, aber auch alle sehr freundlich und artig. Die Maschine liegt tief im Bothe, wodurch, zugleich mit der Schwere der Fracht, die Bewegung derselben ruhiger wird, als an den Dampfbothen der vereinigten Staaten. Am Malsham hört man kaum die Maschine gehen. Das Brenn-Material kostet 2 1/2 Thaler, und es wird zwei Mahl, zu Sorel und Three Rivers, angelegt, um neues einzuschiffen. Es ist nur zu bedauern, daß man hier nicht soviel Aufmerksamkeit auf das Both wendet, als nöthig ist. Der Phoenix brannte durch eine Kerze ab, und noch jezt brennt man in einem offenen Ofen auf dem mit Peche überstrichenen Verdeke offenes Feuer. Auch ist der ganze übrige Schiffsdienst noch echt französisch; für nichts vorgesorgt, und wenn, was bei solcher Nachläßigkeit unvermeidlich ist, irgend etwas in Unordnung geräth, solches Geschrei und solche Verwirrung, das immer mehr Unglük dadurch herbeigeführt wird, als ehevor vorhanden war. So erzählt Hr. Prof. Silliman, wie man an einer gefährlichen Stelle (Richelieu rapids) stromaufwärts so wenig für das Takelwerk sorgte, daß, als der Wind sich plözlich wendete, der Mast brach, und das Segel über die beiden Schornsteine fiel, auf welchen man es so lang ließ, bis es durchbrannte, obschon hundert Brantwein-Fässer auf dem Verdeke lagen, die am Ende, so wie das ganze Both, nur durch die Gegenwart des Geistes eines Matrosen gerettet wurden. – Wenn man, unter solchen Verhältnissen, etwas oder nichts von Unfällen auf Dampfbothen in Nordamerica hört, so hat man auf alle Fälle nichts gehört.

Das Dampfboth Shannon.

Dieses größte bisherige Dampfboth, welches zur Verbindung zwischen London und Dublin bestimmt ist (es wird diese Reise in 17 Stunden vollenden), wurde vor Kurzem zu London auf der Werfte der HHrn. Fletchers und Furnell vom Stapel gelassen. Es ladet 512 Tonnen, ist 180 Fuß lang, und 28 Fuß auf der Kampanie breit. In lezterer ist Unterkunft für 20 Reisende und 8 Pferde; 150 Reisende finden Unterkunft unter dem Verdeke. Die Dampfmaschine, die das Both treibt, ist von Bolton und Watt, und hat die Kraft von 160 Pferden. Das Both hat platten Kiel, wegen der Bank vor Dublin, und wird, ganz befrachtet, nicht tiefer als 9 Fuß, 6 Zoll tauchen. (Bullet. d. Scienc. techn. Mai 1826. S. 324.)

Morey's neue Dampfmaschine.

Das American Mechanic's Magazine, und aus diesem das London Mechanic's Magazine, 24. Juny 1826, S. 128, erzählt, daß der rühmlich bekannte Mechaniker, Hr. Sam. Morey, sich ein Patent auf eine Dampfmaschine geben ließ, welche, im Modelle, allerdings gute Wirkung hervorbringt. Er erzeugt den leeren Raum in dem Cylinder durch Abfeuerung einer Knallmischung aus atmosphärischer Luft und in Alkohol-Dämpfen, wo der Alkohol mit etwas Terpenthingeist versezt ist. Die Temperatur der erhaltenen Flüßigkeit übersteigt nicht die Blutwärme. Wenn diese Maschine im Großen so gut spielt, wie im Modelle, so ist diese Erfindung eine der wichtigsten in der neueren Zeit, und Dampfwagen werden allgemein werden,