Text-Bild-Ansicht Band 21

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der zu einer consistenten Gallerte, und wirkte auf Pflanzen-Farben weder sauer noch alkalisch. Die Zähigkeit oder Haltbarkeit derselben war, verglichen mit anderen Arten von Leim, wie sie in Handel vorkommen, stärker, als bei den meisten dieser lezteren; sie gab, mit einem Worte, alle Merkmahle einer während ihrer Erzeugung so wenig, wie möglich, veränderten Gallerte.

Angewendet zu Sulzen in der Küche und in der Apotheke, zum Schlichten feiner Gewebe, zur Fabrication falscher Perlen, zum Fassen der Edelsteine, zur Verfertigung des englischen Taffetes diente sie so gut, wie Hausenblase, und noch besser; denn sie hatte noch weniger Geschmak, und durchaus nicht den Fischgeschmak, den man an der Hausenblase immer mehr oder weniger wahrnimmt.

Allein, nie gelang es uns mit dieser Gallerte Bier77) zu klaren, oder irgend eine andere Flüßigkeit.

Dieser auffallende Unterschied zwischen zwei Körpern, die übrigens ganz identisch zu seyn scheinen, veranlaßte uns zur genauesten Untersuchung der Ursache dieses Phänomenes. Wir vermutheten hier eine mechanische Ursache, und bedienten uns daher des Euler'schen Mikroscopes von Hrn. Vinc Chevalier, um das Gefüge der Hausenblase in den verschiedenen Zuständen, in welchen man sich derselben zum Klaren bedient, zu untersuchen. Wenn man Hausenblase in kaltes Wasser 36 Stunden lang einweicht, so erscheint sie als ein Gewebe von Faserhäuten; wenn man sie dann zwischen den Fingern knötet, und zu einem gallertartigen Breie macht, zeigt sie gerade, wie Perlmutter schillernde, Fasern, die in der Flüßigkeit zerstreut sind, wenn man sie dann in weißen Wein einrührt, so nimmt sie sehr an Umfang zu, und ihre gallertartige Consistenz wird fester. Sie besteht dann aus einer Menge höchst feiner und biegsamer Fasern, die sich, wie ein Nez, in allen Theilen der Flüßigkeit ausbreiten. Dieses Nez könnte nun das Klaren erklären, wenn man annähme, daß, während dasselbe niedersinkt, es alle in der Flüßigkeit schwebenden Theilchen mit sich nimmt. Indessen,

77)

Man sieht hieraus deutlich, daß man in Frankreich noch kein gutes Bier brauen könne, weil man eines anderen Mittels zur Klärung desselben bedarf, als die Gährung selbst. A. d. Ueb.