Text-Bild-Ansicht Band 30

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Polytechnisches Journal.

Neunter Jahrgang, drei und zwanzigstes Heft.

LXXX. Versuch einer Verbesserung der Kraftmeßmaschine des Hrn. Prony, von Dr. Ernst Alban.

Mit Abbildungen auf Tab. VII.

Ich bediente mich in London, um die Kraft der dort nach meinem neuen Principe von mir erbauten Dampfmaschine mit sehr hohem Druke zu messen, der von Hrn. Prony vorgeschlagenen und in den Annales de Chemie et de Physique, Febr. 1822, S. 165177) mit einem mathematischen Beweise ihrer Richtigkeit belegten Kraftmeßmaschine, deren Princip darin besteht, daß um den Wellbaum eines sich drehenden Maschinensystems eine Art Zaum von Holz, mit Messing ausgefüttert, gelegt, und dieser Zaum mit einem langen mit einem Stellgewichte beschwerten Hebel versehen wird, um durch die zwischen Zaum und Welle bewirkte Friction, und die endlich dadurch bewirkte Lüftung des Hebels mit dem Gewichte ein Maß für die Größe der Reibung und des zu ihrer Ueberwindung nöthigen Kraftaufwandes von Seiten des Maschinensystems zu haben. Vermittelst einer Stellschraube kann der Zaum mehr oder weniger an die Welle angepreßt werden, je nachdem die Lüftung des Gewichtes am Hebel mehr oder weniger Friction fordert. Das Gewicht soll während der Anwendung der Vorrichtung stets schwebend erhalten werden. Die Leistung öder das Kraftmoment des Maschinensystems läßt sich aus der Größe des gehobenen Gewichtes, und aus der Anzahl der Wellbaumumgänge so berechnen, daß man das Gewicht mit der Geschwindigkeit derjenigen Peripherie multiplicirt, die man durch einen Halbmesser beschreibt, welcher der Entfernung des Gewichtes vom Mittelpuncte der Welle gleich ist.

So sehr richtig dieses Princip ist, und so große Bequemlichkeiten es bei seiner Anwendung, wegen Einfachheit und Kunstlosigkeit in seiner Construction verspricht, so habe ich doch durch die Erfahrung gefunden, daß eine genaue Regulirung der Friction durch die Stellschraube, wobei ein stetes Schwebenderhalten des Hebels mit seinem Gewichte bezwekt wird, mit großen Schwierigkeiten verbunden sey, indem die geringste Abweichung in der Kraft und Geschwindigkeit des sich drehenden Maschinensystems oft höchst feine und bei der

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Polytechnisches Journal Bd. VIII. S. 431.