Text-Bild-Ansicht Band 33

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auf Papier geschriebenen Buchstaben in 24 Stunden nicht, nicht einmal als sie so weit erwärmt wurde, daß sie das Papier nicht ganz zerstörte.

Ein anderes mit dieser Flüssigkeit beschriebenes Papier wurde einige Zeit lang in eine starke mit Salzsäure vermischte Auflösung von Chlorkalk gelegt und dann 24 Stunden lang in eine äzende Kalilauge getaucht, worauf man Alles zur Trokniß einkochte und in Wasser wieder aufweichte; es blieb nach dieser Einwirkung des Chlors und des Kalis nur ein kleines Stük Papier zurük, auf welchem die Buchstaben sehr deutlich waren.

Wenn ich mich nicht täusche, so kann diese Flüssigkeit mit allem Recht eine unzerstörbare Tinte genannt werden, weil sie den mächtigsten Reagentien widersteht; ich empfehle sie also dem Publikum mit Vertrauen57).

Dieselbe Flüssigkeit wird auch, wie ich nicht zweifle, mit dem größten Vortheil in der Färberei angewandt werden können, um auf Baumwolle, Hanf, Leinen und Seide ein mehr oder weniger dunkles Kastanienbraun hervorzubringen, oder um andere Farben zu bräunen; sie wird in dieser Beziehung sowohl den braunen Farben, welche man durch Eisen hervorbringt, die aber bisweilen an der Luft gelb werden, als auch den durch Ruß erzielten (welcher in einigen großen Fabriken noch in Gebrauch ist, obgleich er nur eine flüchsige Farbe gibt) bei weitem vorzuziehen seyn.

Ich habe auch gefunden, daß ein Zeug, welcher durch ein Eisensalz vorläufig rostgelb gefärbt wurde, in derselben Flüssigkeit eine dunklere Farbe annimmt, als wenn er vorher nicht mit einem Eisensalze getränkt worden war.

Uebrigens brauche ich nicht erst zu bemerken, daß diese unzerstörbare Tinte auch ohne alle andere Beimischung mit dem besten Erfolg angewandt werden kann, um die Leinwand unauswischbar zu zeichnen.

Nancy den 1. April 1829.

57)

In den Ann. de Chim. et de Phys. April 1829, S. 439. bemerkt Hr. Braconnot, daß er sich hinsichtlich dieser Benennung übereilt und jezt durch neue Versuche gefunden habe, daß diese Tinte den Namen unzerstörbare nicht verdiene, weil die damit geschriebenen Buchstaben durch abwechselnde Einweichung in Chlor und Kali wirklich zerstört werden.