Text-Bild-Ansicht Band 33

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Ueber die beiden Fabrikations-Systeme.

Die während eines Jahres gemachten Erfahrungen haben einige Aufklärung über den relativen Werth der beiden Fabrikations-Systeme gegeben, in welche sich die Industrie gegenwärtig theilt, nämlich das Verfahren mit Krystallisationsgefäßen85) und das Verfahren mit Formen (die regelmäßige Krystallisation und die Körnung des Zukers). Es entstanden Etablissements, welche nach dem einen und nach dem anderen Verfahren arbeiteten, auch solche, welche beide mit einander verbanden, aber man muß gestehen, daß im Allgemeinen das System der Formen in diesem Jahre mehr Proselyten machte, als in den vorhergehenden, es sey nun wegen der Einführung der Dampfheiz-Apparate, oder weil dieses System von den neuen Fabrikanten im Ganzen besser aufgefaßt und besser geleitet wurde, oder wegen des Mißkredits, welchen einige Raffinirer auf den krystallisirten Zuker geworfen haben.

Wegen dieser zwei verschiedenen Fabrikations-Methoden entstanden zwei entgegengesezte Parteien, welche einen wahren technischen Krieg mit einander führen; jede vertheidigt ihre Verfahrungsarten, sie als die besseren bezeichnend und jede verachtet die andere, oft mit Hintansezung aller Ruhe und Vernunft. Man ist erstaunt, den Parteigeist sich hier einer Discussion bemächtigen zu sehen, wobei nur Thatsachen und Verstand Zutritt haben sollten. Abgesehen von dem schlechten Vertrauen, welches eine leidenschaftliche Polemik nothwendigerweise erregen muß, ist so viel gewiß 1) daß man nach beiden Methoden, sowohl durch regelmäßige als durch schnelle oder unregelmäßige Krystallisation unter den gegenwärtigen Umständen vortheilhaft Zuker erzeugen kann; 2) daß das Verfahren mit Krystallisationsgefäßen, weil sein Gang mehr mechanisch ist, und weniger Praxis und Kenntnisse von Seiten des Arbeiters erfordert, im Allgemeinen besser gelang, als das Verkochen; 3) daß lezteres, obgleich weniger leicht ausführbar, als die langsame Krystallisation, in Hinsicht auf die Einrichtung des Etablissements ökonomischer ist, Handarbeit und Brennmaterial erspart, die Capitalien schneller realisirt, und daß man durch dasselbe eben so viel Zuker aus der Wurzel erhalten kann, wenn sie gehörig behandelt wird; 4) endlich, daß man durch das Läutern (defécation), welches man bei dem Verkochen anwenden muß, einen Zuker erhält, welcher mit demjenigen der Colonien identisch ist und bei dem Raffinirungsprozeß keine Modificationen erheischt, während bei der Ausscheidung des Rohzukers durch langsame Krystallisation, unter die Krystalle unvollkommen geläuterter Syrup kommen und folglich

85)

Diese Krystallisationsgefäße, cristallisoirs genannt, sind flache Gefäße von Blech.

A. d. R.