Text-Bild-Ansicht Band 33

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der Zuker mit Substanzen verunreinigt werden kann, welche bei dem Raffiniren Hindernisse in den Weg legen.

Diese verschiedenen Behauptungen muß ich jezt auseinandersezen.

Man mag den Zuker aus den Runkelrüben durch Krystallisation oder durch Verkochen des Saftes darstellen, so sind die Krystalle des Rohzukers den durch Raffiniren desselben erhaltenen physisch und chemisch vollkommen gleich. Ihre geometrischen Formen sind ganz so, wie sie Hauy fand und vor Kurzem Hr. Gillot berichtigte. Ihre Grundform ist ein vierseitiges Prisma, dessen Basis ein Parallelogramm ist, wovon die kleine Seite sich zur großen = 7 : 10 verhält. Ich habe außerdem bemerkt, daß die regelmäßigen Krystalle des Kandis dieser Zukersorten, so wie diejenigen des Rohrzukers unter gewissen Umständen Modifikationen an den Kanten der ebenen spizen Winkel erhalten, sie sind aber gewöhnlich sehr unbeträchtlich. Sie haben außerdem eine Spaltungsflache senkrecht auf die Basis des Prisma. Wenn man mit dem Zuker aus den Krystallisationsgefäßen regelmäßige Krystalle von Kandis bereitet, so erhält man gewöhnlich diejenige Krystallisation, welche die Raffinirer hirsenförmige (cristaux gremillés) nennen. Es sind Gruppirungen, welche man auch mit Rohrzuker von schlechter Qualität, und sogar mit gutem, aber schlecht geklärtem und schlecht eingekochtem, Zuker erhält. Wegen dieses Umstandes, welcher nichts gegen die Identität der Krystallformen der beiden Zukerarten beweist, hat sich Hr. Clémendot täuschen lassen, als er neuerdings behauptete, daß diese beiden Zukerarten in dieser Hinsicht verschieden sind.

Der Zuker aus den Krystallisationsgefäßen, als Raffinirungsstoff betrachtet, ist in der That schlechter, als der Zuker aus den Formen, welcher dieselbe Farbe hat. Für's Erste kann jener Zuker nicht ohne Hülfe der Presse von der Melasse gereinigt werden und muß zu diesem Ende die Walzen passiren. Das Zerreiben, welchem er bei dieser Arbeit ausgesezt wird, verändert einen Theil desselben. Es wird nämlich ein Theil des krystallisirbaren Zukers dadurch entmischt, und dieser kann beim Raffiniren nicht wieder zum Vorschein kommen und verhindert bei dieser Arbeit die gegenseitige Annäherung des unveränderten Zukers. Dieß trägt dazu bei, daß diese Zukersorte beim Raffiniren weniger ausgibt. Diese Veränderung gehört unter diejenigen, welche man in der Sprache der Raffinerie unter dem Namen Schmierigwerden (graissage) begreift. Außerdem ist die Farbe eines gewalzten Zukers nur das Resultat des Zerreibens und folglich erkünstelt. Man weiß in der That, daß die weiße Farbe der Zukersorten nur von dem vertheilten Zustande der Krystalle abhängt; aber dieser scheinbare Vorzug, welcher die Käufer tauscht, tauscht keineswegs die