Text-Bild-Ansicht Band 33

Bild:
<< vorherige Seite

dieser Frage ließen mich meinen Irrthum erkennen. Ich bin in der That jezt ganz überzeugt, daß die in dem mittägigen Frankreich gebaute Runkelrübe, unter übrigens ganz gleichen Umständen, mehr Zuker, und mehr krystallisirbaren Zuker als die Wurzeln des Nordens enthält, daß dieser Zuker eben so leicht aus der Wurzel abgeschieden werden kann, und daß, wenn im Süden keine Runkelrübenzuker-Fabriken sind, dieses nicht dem Clima, sondern anderen Ursachen zugeschrieben werden muß. Die größere Verbreitung der Zukerfabriken in den nördlichen Departements kann man folgendermaßen erklären:

Auf den Akerbau der Departements des nördlichen Frankreichs mußte die benachbarte Niederlande Einfluß haben und er besaß den Vortheil eines durch gejätete Pflanzen vervollkommneten Anbaues ohne Brachen. Diese Departements waren also seit langer Zeit in Besiz des Runkelrübenbaues, während es in dem mittleren und südlichen Frankreich viele Departements gibt, wo diese Wurzel als Küchengewächs beinahe unbekannt ist. Nachdem die Runkelrübenzuker-Fabrikation so weit begründet war, daß sie eine nuzbare Industrie werden könnte, mußte sie sich natürlich vorzugsweise dorthin verpflanzen, wo sie ihren Urstoff in Ueberfluß vorfand. Andere rein ökonomische Vortheile haben den Fabriken dieser Art in den nördlichen Departements ebenfalls eine große Ueberlegenheit gegeben; nämlich: 1) der niedrige Lohn der landwirthschaftlichen und technischen Handarbeit; 2) die Nähe der Steinekohlengruben und folglich die Wohlfeilheit des Brennmaterials; 3) die große Fruchtbarkeit des Bodens, welche die Runkelrüben zu einem sehr niedrigen Preise sich zu verschaffen erlaubt.

Wenn man bei der Frage also bloß das Clima und den Zukergehalt der Wurzel in Betrachtung ziehen will, so kann man annehmen, daß der Süden wenigstens eben so gut bedacht ist als der Norden.

Ueber die Wahl der Localität für eine Zuker-Fabrik habe ich Folgendes zu bemerken. Wenn man sich dieser Industrie als Güterbesizer widmen und nur die großen Vortheile berüksichtigen will, welche sie dem Akerbau gewährt, durch den Anbau einer Pfahlwurzeln treibenden und gejäteten Pflanze, und durch die Consumtion an Ort und Stelle, die sie realisirt, so wird man zu ihrer Gründung vorzugsweise ein solches Besizthum wählen, dessen Felder einem dreijährigen Brachliegen unterworfen und, wenn auch nicht unfruchtbar, doch wenigstens aller Vortheile eines guten Anbau-Systems beraubt sind; man wird endlich solche Felder wählen, welche schon zum Anbau von Getreidearten geeignet und bestimmt sind. Man braucht dann den Preis des Brennmateriales und der Handarbeit nicht zu berüksichtigen, weil man nicht die Absicht bar, sich die großen Vortheile, welche die Zuker-Fabrikation unter anderen Umständen gewähren