Text-Bild-Ansicht Band 33

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Arbeit sehr frühzeitig anfing, hat einen großen Theil seiner Erndte verarbeitet, ohne sie aufzubewahren. Dieser Umstand ist sehr günstig, wenn man ihn ohne Nachtheil benüzen kann, denn in vielen Departements würde man die Erndte oft verderben, wenn man nach dem Beispiele, welches Hr. Bernard in diesem Jahre gab, Wurzeln bis im Monat December in der Erde lassen wollte. Die wichtigsten Bedingungen, welche man erfüllen muß, wenn man die Wurzeln vollkommen gut erhalten will, sind folgende:

1) Daß man die Krautkronen bis zu den Blattstielen wegschafft;

2) daß man die Wurzelkeime und Wurzelfasern wegschneidet;

3) daß man die den Wurzeln anhängende Erde möglichst gut beseitigt;

4) daß man die durch das Messer gemachten Wunden vollkommen vernarben läßt, ehe man die Rüben in Gruben oder Magazine bringt;

5) daß man die Wurzeln in kleinen Massen zusammen aufbewahrt, die Gruben in einem troknen Boden ausgrabt und sie gegen den Frost schüzt;

6) daß man bei dem Einsammeln und Aufspeichern alle Quetschung vermeidet, wodurch eine Wunde entstehen könnte, die eine Gährung veranlassen würde;

7) daß man alle Umstände berüksichtigt, wodurch eine Erndte von guter Qualität erzielt wird.

Einige im Kleinen angestellte Versuche über die Anwendbarkeit der schweflichen Säure, um die Runkelrüben besser zu erhalten, und die nüzliche Rolle, welche dieses Agens bei der Aufbewahrung des Traubenmostes spielt, ließen mich hoffen, daß man aus diesem Verfahren große Vortheile ziehen könnte; Versuche im Großen haben jedoch meine Vermuthung nicht bestätigt und die schwefliche Säure, an Statt die Erhaltung der Wurzeln zu begünstigen, macht sie im Gegentheil sehr schnell in Fäulniß übergehen88).

Nach dieser Thatsache möchte es scheinen, daß die Runkelrübe als zweijährige Pflanze sich nur durch die Lebenskraft erhält, welche sie im zweiten Jahre ihrer Vegetation befruchten muß, und daß sie, wenn man durch irgend ein Mittel dieses Leben der Pflanze vernichtet, dann die Veränderungen erleidet, welche das lezte Stadium der Zersezung organischer Substanzen charakterisiren. Die Verstümmelung der Wurzel durch Abschneiden ihrer Blattstiele und Fasern, die ihre Reproductions-Organe bilden, sind nicht auf gleiche Weise nachtheilig,

88)

Es scheint, daß sich der Verfasser, ehe er diese Abhandlung vollendete, mit diesem Gegenstande besonders beschäftigte, denn am Schluß derselben wird gerade das Gegentheil behauptet.

A. d. R.