Text-Bild-Ansicht Band 33

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ist darin, wie ich mich durch directe Versuche überzeugt habe, meistens fast gar nichts enthalten.

Wenn das in dem Saft vorherrschende Alkali bloß Ammoniak ist und er nur sehr wenig Kali enthält, so kann man ihn nicht mit Säure versezen, denn sonst würde sich während seiner Concentration ein saures schwefelsaures Ammoniak bilden und lezteres durch seinen Säureüberschuß aus den in dem Saft aufgelösten Salzen mehrere Säuren in Freiheit sezen. Diese Säuren sind, wir wiederholen es, Aepfelsäure, Gallertsäure, Salzsäure und meistens auch Salpetersäure, die entweder von der Wurzel herrührt oder durch die Schwefelsäure in den Saft gebracht wurde91). (Weiter oben S. 175. wurden die Nachtheile dieser Agentien angegeben.)

Wenn der Saft so durch bloßen Kalk geläutert worden ist, ist er immer stark alkalisch und man muß sich wohl hüten, ihm die thierischen Kohlen von der Klärung zuzusezen, was in einigen Fabriken geschieht. Dieses Verfahren ist bequem, um die Kohlen auszuwaschen, aber es gibt schlechte Resultate. Denn der Saft, welcher auf diese Art geläutert worden ist, würde stark alkalisch werden und schwer zu concentriren seyn, weil die Alkalien die Eigenschaft haben, die Färbestoffe aus der Kohle zu verdrängen92) und außerdem das Kali die Eigenschaft hat, den Eiweißstoff aufzulösen und damit eine klebrichte Verbindung zu bilden, welche das Abdampfen schäumend und das Verkochen sehr schwierig macht.

Man hat bemerkt, daß man bei der Läuterung mit Kalk bald flokige, bald sehr zertheilte Niederschläge erhält. Zu dieser Beschaffenheit des Niederschlages trägt nach meiner Erfahrung unter Anderem das Verhältniß des in der angewandten Kalkmilch enthaltenen Wassers

91)

Es scheint mir sehr wahrscheinlich, daß die käufliche Schwefelsäure oft Salpetersäure enthält; ich habe darüber einige Versuche angestellt, da aber das dabei beobachtete Verfahren von der Art war, daß es mich hätte irre leiten können, so kann ich es noch nicht positiv behaupten.

A. d. O.

92)

Man weiß schon seit langer Zeit, daß die thierische Kohle dem Wasser den Kalk entzieht; ich habe durch diese Thatsache die Beobachtung erklärt, daß zur Neutralisation des mit Kohle behandelten Saftes weniger Säure erforderlich ist, aber man wußte bisher nicht, daß die Kohle alle Alkalien nach Art der Säuren neutralisirt. Ich hatte dieses schon vor längerer Zeit vermuthet, was eine Note in meinem Werke S. 258. beweist; seitdem habe ich mich davon durch directe Versuche überzeugt; die erhaltenen Resultate lassen mich sogar glauben, daß die Kohle sich mit den Basen in bestimmten Verhältnissen verbindet. Es wundert mich, daß Hr. Bussy, welcher in seiner vortrefflichen Abhandlung über die thierischen Kohlen (polyt. Journ. Bd. IX. S. 206.) die Einwirkung der Alkalien auf die mit Färbestoffen überladene Kohle so gut beobachtete, es wundert mich, sage ich, daß Hr. Bussy nicht auf dasselbe Resultat geleitet wurde, welches ich jezt mittheile; denn er nimmt an, daß das Alkali der Kohle den Färbestoff dadurch entzieht, daß es sich mit demselben verbindet, während in der That das Alkali den Färbestoff in der Kohle verdrängt.

A. d. O.