Text-Bild-Ansicht Band 33

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bei; denn wenn sie verdünnt ist, so fällt der Niederschlag fein, im Gegentheile klümprig aus.

Die Klumpen, welche durch den Kalk in dem Safte gebildet werden, hüllen immer den Kalk ein, welcher nicht wirkt, so daß man sie mit den Klumpen vergleichen kann, welche das Eiweiß bei der Klärung hervorbringt; sie hüllen Alles ein und ziehen Alles mit sich, was der Saft in dem Augenblike, wo sie sich bilden, Unauflösliches enthält. Durch diese Beschaffenheit der Klumpen werden uns andere Erscheinungen erklärbar.

Den Kalk sezt man allgemein dann zu, wenn die Temperatur der Flüssigkeit zwischen dem 70sten und 85sten Grad des hundertheiligen Thermometers (zwischen 60 und 68° Reaumür) ist; doch bringt es keinen Nachtheil, wenn man ihn schon früher und wie ich gefunden habe, sogar in der Kälte zusezt; nur muß man dann von Zeit zu Zeit umrühren, damit der Niederschlag nicht auf den Boden fällt und sich an den Kessel anhängt. Gewöhnlich erhizt man die Flüssigkeit bis zum Kochen; ich fand es aber nicht nachtheilig, wenn das Feuer schon früher entfernt wird, sobald nämlich die Läuterung vollständig erfolgt ist, wovon man sich durch die allgemein üblichen Proben überzeugt haben muß; so hörte ich ohne Nachtheil auf, die Flüssigkeit zu erhizen, als sie bei einer Temperatur von 85° C. (68° R.) sich vollkommen geläutert zeigte. Ich bemerkte sogar, daß ein auf diese Art geläuterter Saft eben so klar und weniger stark gefärbt ist, als gewöhnlicher. Bisweilen habe ich es auch vortheilhaft gefunden dem Safte 500 Grammen thierische Kohle auf das Hektoliter zuzusezen, um den Niederschlag dichter zu machen, damit er sich desto besser absezt; die Kohle muß aber dann unmittelbar nach dem Kalk zugesezt werden.

Bei der Behandlung des Kalkes, welcher zur Läuterung dient, verfährt man in allen Fabriken auf eine sehr fehlerhafte Weise. Denn der Kalk, so wie er aus dem Ofen kommt, also in gebranntem Zustande, zieht die Feuchtigkeit sehr stark an sich und vermehrt daher unter den Umständen, wie man ihn gewöhnlich aufbewahrt, durch Anziehen von Feuchtigkeit aus der Luft, sein Gewicht von Tag zu Tag. Das Gewicht Kalk, welches man heute aus dem Magazine nimmt, ist daher morgen nicht mehr dasselbe, woher die vielen Abänderungen in der Dosis und die wandelbaren Resultate kommen. Außerdem ist der Kalk auch oft wegen des ungleichförmigen Brennens von sehr verschiedenartiger Beschaffenheit, und es finden sich nicht selten mitten in einer kleinen Anzahl von Kalkstüken mehrere Stüke, welche sich entweder nicht löschen oder wenn sie sich löschen, unvollkommen zerfallen, wodurch ebenfalls wieder Anomalien verursacht werden. Um