Text-Bild-Ansicht Band 33

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wo man das Bleichen ohne die erforderlichen Kenntnisse versuchte, erhielt man schlechte Resultate.

Reinigung des Zukers in den Formen durch Abtropfen.

Wann der Zuker in den Formen von guter Qualität ist, kann man den Stöpsel der Form ohne alle Vorsicht öffnen und es ist sogar unnüz, die Spizen mit einer Ahle zu durchbohren: der Syrup läuft leicht ab, ohne Zuker mit sich zu reißen.

Wenn der Zuker wenig Festigkeit oder wenn man bei der Arbeit irgend einen Fehler begangen hat, so kann das Korn sehr fein, teigig und von geringer Consistenz seyn, was besonders bei dem wiederverkochten Zuker eintrifft; man muß alsdann den Stöpsel mit Vorsicht öffnen, und wenn man bemerkt, daß der Syrup Zuker mit sich reißt, so muß man die Spize des Kegels mit einer Perruque, oder mit einer Kehle, oder, was noch einfacher ist, mit einem ausgekehlten Stöpsel versehen104).

Die Stube, worin sich die Formen befinden, darf nicht zu heiß seyn, wenn man die Stöpsel öffnet; 15 bis 18° C. (12 bis 14° R.) eignen sich zu dieser Operation gut.

Ein Zuker, dessen erste Reinigung in einer stark geheizten Wärmstube Statt findet, worin sich die Luft leicht erneuert, ist stärker gefärbt, als wenn die Reinigung bei einer niedrigeren Temperatur und an einem feuchten Orte erfolgt. Ich habe sogar öfters bemerkt, daß Zuker an seiner Oberfläche durch den Dampf der feuchten Stuben, worin er sich befand, gewissermaßen thonartig wurde. Man könnte sich ohne Zweifel diese Eigenschaft zu Nuzen machen und die Reinigungsstuben mit Luft heizen, die mit Dampf übersättigt ist.

Reinigung des Zukers durch die Walzen und die Presse.

Der Zuker aus den Krystallisationsgefäßen erscheint in Gestalt krystallinischer oder concreter, mehr oder weniger harter Massen, aus welchen die Mutterlauge durch bloßes Abtropfen nicht ganz abgeschieden werden kann; man muß daher zum Pressen seine Zuflucht nehmen. Wenn man aber den Zuker bloß in Säken abwechselnd mit Weidenflechten auf die Platte einer starken Presse bringen würde, so würde die Melasse wegen des Widerstandes, den die Krystalle entgegensezen, welche unter sich um so größere Zwischenräume lassen je voluminöser

104)

Eine Perruque ist ein Stük reinen Zeuges, welches man auf die Oeffnung des Unterseztopfes legt, ehe man die Form darauf bringt. Dieser Zeug hält den Zuker zurük und läßt nur die Melasse durchgehen. – Eine Kehle (cannelle) ist ein hohler, mit Löchern versehener metallener Kegel, welchen man in die Spize der Form stekt. – Ein ausgekehlter Stöpsel (bouchon cannelé) ist ein gewöhnlicher Stöpsel, auf dessen Umfang man fünf oder sechs tiefe Einschnitte gemacht hat.

A. d. O.