Text-Bild-Ansicht Band 33

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Dieses Verfahren besteht darin, daß man die Wurzeln, ehe man sie zerreibt, einige Zeit lang einer Atmosphäre von schweflicher Säure aussezt. Das Fleisch bleibt dann eine unbestimmte Zeit lang weiß und gesund. Die Säke und Flechten, welche man bei der Bearbeitung gebraucht, erleiden auch in ihrer Farbe keine Veränderung und können mehrere Tage, ohne daß man sie reinigt, angewandt werden; eben so alle anderen Geräthe, die mit Saft getränkt werden können.

Wenn man bedenkt, wie wichtig die Reinlichkeit bei der Fabrikation des Runkelrübenzukers ist, und welche großen Nachtheile durch ihre so leichte und so häufige Vernachlässigung von Seite der Arbeiter entstehen können, so wird man wohl die Vortheile zu schäzen wissen, welche bei der Fabrikation im Großen ein Verfahren gewähren muß, das in dieser Hinsicht eine vollkommene Sicherheit darbietet.

Ich habe seit langer Zeit bemerkt, daß die Arbeit, welche in einer Zukerfabrik am ersten Tage gemacht wird, viel bessere Producte liefert, man mag den Zuker regelmäßig krystallisiren lassen oder körnen, und ich hatte mit Unrecht diesen Unterschied einer Veränderung der Wurzeln zugeschrieben, welche doch gewiß nicht die Ursache davon seyn kann, weil die Erscheinung allgemein ist und sich jedes Jahr mehr oder weniger auffallend in den Fabriken zeigt. Ich zweifle nun nicht mehr, daß die Ursache einzig und allein in der Unreinheit der Geräthe liegt, welche am zweiten Tage der Fabrikation beginnt und die sich nur dadurch vermeiden ließe, daß man die Geräthe täglich so sorgfältig reinigen und troknen würde, wie man es am Schluß der Arbeit zu thun pflegt.

Nach diesen Betrachtungen, worin aufgeklärte Fabrikanten gewiß mit mir übereinstimmen, ist die Reinlichkeit einer Fabrik ebenfalls eine unerläßliche Bedingung des guten Erfolgs; diese wird nun aber durch das Schwefeln der Rüben so vollkommen erfüllt, als es auf keine andere Art möglich ist.

Das Schwefeln, welches man den Fabrikanten als eine schwierige Operation vorstellte, ist eine außerordentlich einfache Arbeit. Der Apparat, welchen ich dazu erfunden habe, wird in diesem Jahre in mehreren Fabriken angewandt werden, deren Directoren bei mir in diesem Verfahren unterrichtet wurden.

Die Kosten des Apparates und des Stoffes zur Erzeugung der schweflichen Säure sind im Verhältniß zu den übrigen Fabrikationskosten so gering, daß sie gar nicht in Betracht kommen. Die schwefliche Säure spielt bei dieser Anwendung dieselbe Rolle wie bei der Aufbewahrung des Rübenmostes; sie verhindert die Färbung und die schleimige Gährung, indem sie den Saft gegen die Einwirkung des Sauerstoffs schüzt, wie groß auch immer die Oberfläche der mit der