Text-Bild-Ansicht Band 33

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der Schweiz und Sachsens nichts anderes als Musterreiter) seinen Commis, sage ich, in mein Haus schikt, und, während ich mit meinen Arbeiten beschäftigt bin, vor meiner Frau und meinen Kindern den ganzen Plunder von Strümpfen, Unterröken, Jäkchen, Chemisetten, Häubchen etc. auskramt, und sie alle so deutlich überzeugt, daß sie sich diese schönen Sächelchen nimmermehr mit eigener Hand so wohlfeil und so niedlich verfertigen können, daß endlich meine gute Frau (mein Herr Minister) ihre Hand nach den wenigen Rollen ausstrekt, die ich in meinem Aerarium für schlimme Zeiten aufgespart habe? Ist der mein Freund? Er denkt nur daran, mein Geld zu kriegen; ob meine Familie später darben muß, daß er meine gute Frau übervortheilte, daß er ihr sogar noch etwas darein gab, dieß kümmert ihn nicht. Eine Familie, die Franklin's, des unsterblichen Franklin, goldene Regel vergißt: daß wohlfeil kaufen arm macht,“ geht eben so sicher zu Grunde, als ein Staat, der sie vergißt. Franklin's Söhne haben sich in dem Augenblike an die Lehre ihres Großvaters erinnert, als die Commis mit den wohlfeilen Waaren an ihre Thüren kamen. Wir haben eine deutsche Uebersezung von Franklin's Werken von unserm Bürger; in unsern mystischen Tagen ist aber Franklin und Bürger in Deutschland vergessen. Man schämt sich jezt in England sogar einer solchen Plattheit nicht, daß man, um die Vortheile freier Fabrikwaaren-Einfuhr zu zeigen, die englische Industrie zum Schuhmacher herabwürdigt, und sagt: „wenn ihr unsern Fabrikaten nicht freie Einfuhr gestattet, so wird es euch gehen wie dem Manne, der sich seine Schuhe selbst machen wollte: sie werden euch theurer zu stehen kommen und nicht so nett seyn.“ „Leider ist dieses Argumentum vom Leisten zur Leier“ durch den Berichterstatter über die lezte Leipziger Millionen-Messe sogar in die Allgemeine deutsche Zeitung gekommen, wir vermuthen jedoch, daß der Berichterstatter seinen alten Landsleuten, den Sachsen auf der Insel, nur etwas Pfeffer auf die Butter damit streuen wollte; denn ernstlich kann er so etwas nimmermehr gemeint haben. Daß übrigens die Sachsen für freie Einfuhr sind, ist leicht begreiflich, so lang ihre Messe sich noch zu halten vermag. Sobald aber diese durch das klügere System Preußens, Oesterreichs und Rußlands zu Grabe gegangen seyn wird, wird Sachsen eine geschlossenere Douanen-Linie erhalten müssen, als jeder andere Staat, wenn seine Fabriken nicht alle zu Grunde gehen und seine Moralität durch Tausende von müssigen Bettlern nicht mehr leiden soll, als durch ein paar Duzend Schwarzer. Alle verständigen Staatswirthe Englands erklären sich laut gegen freie Einfuhr und gegen das System Huskisson's und Say's; sie finden darin den Untergang der englischen Industrie; sie kümmern sich nicht um Absaz auf dem festen Lande in Europa, sondern in beiden Indien und im Oriente; sie wollen nur freien Handel mit den 100 Millionen brittischer Unterthanen in Ostindien. Lezterer allein kann Englands Industrie noch retten, wenn, nach dem alten büreaukratischen Grundsaze: lorsque la sottise est faite, il faut la soutenir, auch die Huskisson'sche soutenirt werden soll: allein es steht sehr zu besorgen, daß, bei der Vorliebe, die man heute zu Tage für halbe Maßregeln hat, auf der einen Seite eine Art von Handelsfreiheit, auf der andern das strenge Monopol der ostindischen Kompagnie beibehalten werden wird. Man hofft durch dieses Schaukel-System die Industrie des festen Landes, die sich jezt in Frankreich, Holland, Preußen, Oesterreich, Rußland, in allen Staaten, welche das alte englische Princip des Einfuhr-Verbotes nachahmten, so sehr emporhebt, aus dem Gleichgewichte zu bringen und zu stürzen, und die 400 Millionen in Indien in ewiger Knechtschaft zu halten.

Organisation des Schleichhandels mit Seidenwaaren nach England.

Es ist, nach Lyoner Rechnungen, gewiß, daß gegenwärtig für 25 Millionen Franken Seidenstoffe aus dieser Stadt allein nach England gehen, seit der Einfuhrzoll in England herabgesezt wurde. Der französische Kaufmann und Fabrikant sendet feine Waare nach Calais oder Boulogne, und wagt keine Gefahr des Schwärzens: der englische Schiffer aber wagt sie. Er deponier den Werth der Waare, und bedingt sich bloß seine Fracht und seine per Cents, wenn er die Empfangscheine über die richtige Ablieferung der Waare bringt. Er kann dieß; denn es gibt Assecuranz-Compagnien, die, für 15 p. C., jeden geschwärzten Seiden-Transport assecuriren. Hätte Hr. Huskisson es mit seinem Aufheben des Einfuhr-Verbotes ehrlich gemeint, so hätte er bloß den Zoll von 30 p. C., den er