Text-Bild-Ansicht Band 33

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Polytechnisches Journal.

Zehnter Jahrgang, achtzehntes Heft.

XCV. Ueber den hydraulischen Widder und über einen neuen Bau desselben. Von Hrn. Boquillon.

Aus dem Industriel. Junius. 1829. S. 57.

Mit Abbildung auf Tab. IX.

Der hydraulische Widder (le belier hydraulique), eine der sinnreichsten Erfindungen der neueren Zeit, ist ein Andenken, das uns der berühmte Montgolfier hinterließ, welchem wir auch den Luftballon und eine Menge nüzlicher Vorrichtungen in Künsten und Gewerben verdanken, namentlich die Verbesserungen in der Fabrikation des Velin-Papieres.

Der Bau des hydraulischen Widders beruht auf dem Grundsaze, daß wenn ein in Bewegung befindlicher Körper auf einen Widerstand trifft, eine Kraft dadurch entsteht, die zugleich auf den Widerstand und auf den bewegten Körper wirkt189). Der Hauptzwek desselben ist, Wasser aus Bächen und Flüssen etc. ohne Anwendung irgend einer anderen Kraft, als derjenigen, die aus den Widerständen hervorgeht, welche abwechselnd dem Laufe des Wassers entgegengesezt werden, in die Höhe zu heben; eine Wirkung, die beim ersten Anblike in Widerspruch mit den Gesezen der Hydrostatik zu seyn scheint, indem eine sehr niedrige Wassersäule mit einer sehr hohen im Gleichgewichte seyn kann.

Diese Thatsachen finden ihre weitere Entwikelung, und werden deutlicher aus nachfolgender Beschreibung.

Fig. 1. stellt einen senkrechten Durchschnitt des Widders nach der Linie AB in Fig. 2. dar, welche denselben im Grundrisse zeigt. Fig. 3. ist der senkrechte Aufriß, nach der Linie AB 190).

189)

Der gehörigen Würdigung dieser Kraft verdankt Montgolfier die Idee des hydraulischen Widders, die nicht, wie die meisten Schriftsteller behaupten, die denselben beschrieben haben, eine Anwendung der Trägheits-Kraft ist, einer Kraft, die gar nicht existirt, und die man gewöhnlich mit derjenigen Kraft verwechselt, welche sich in den Körpern in jenem Augenblike entwikelt, wo irgend eine Ursache sie hindert in demselben Zustande zu bleiben, in welchem sie vorher waren. Die Trägheit ist nichts anderes, als das Verharren der Körper in dem Zustande in welchem sie sich befinden, während die Kraft, von welcher die Rede ist, und die Hr. Ampère die epimenische nennt (force épiménique), sich nie zeigt und niemals wirklich vorhanden ist, außer in dem Augenblike, wo was immer für eine Ursache den Zustand des Körpers zu verändern trachtet. A. d. O. Damit ist nicht mehr gesagt, als was wir bisher hierüber wußten: nichts.

A. d. Ue.

190)

Dieselben Buchstaben bezeichnen dieselben Gegenstände.

A. d. O.