Text-Bild-Ansicht Band 46

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Es ist nämlich bekannt, daß man es bis jezt mit Kesseln von Gußeisen nicht weiter als zu 5 Kilogr. Dampf auf 1 Kilogr. Steinkohlen, mit Kesseln von Eisenblech oder Kupfer zu 6, selten zu 7 Kilogr. gebracht hat. Ein einziger Kessel hat, so viel wir wissen, mehr als 7 Kilogr. Dampf mit 1 Kilogr. Steinkohle geliefert. Dieses an sich schon außerordentliche Resultat ward zu seiner Zeit unserer Gesellschaft mitgetheilt, durch die Ausschüsse der Mechanik und Chemie geprüft, und richtig befunden.

Man schrieb diese Wirkung vorzüglich dem guten Zuge des Schornsteines, der hiedurch bewirkten starken Hize, und den großen mit dem Feuer in Berührung stehenden Flächen des Kessels und der Siederöhren zu. Wenn nun beinahe dasselbe Resultat mit den Kesseln der HH. Séguin und Comp. erhalten wird, so glauben wir dieses hauptsächlich der Anwendung der Ventilatoren zuschreiben zu dürfen, deren Wirksamkeit unsere Erwartung übertroffen hat. Der Bau der Kessel bietet, mit Ausnahme der kleinen Röhren, welche durch denselben gehen, nichts Besonderes dar, und wird wahrscheinlich noch mehrere Verbesserungen erhalten, deren Nothwendigkeit durch die Beobachtung ihres täglichen Gebrauches angezeigt zu seyn scheint.

Diese Ventilatoren, deren zwei an jedem Kessel angebracht sind, haben 5 Fuß (1m,624) im Durchmesser, und erhalten ihre Bewegung, Während dem Gange des Wagens, mittelst eines Laufbandes, welches um eine an einem Rade befestigte Scheibe, und um eine an der Achse der Windflügel befestigte Walze geht.

Wenn man zu heizen anfängt, wird das Laufband von den Scheiben abgenommen, und die Ventilatoren werden mittelst einer Kurbel von einem Manne in Gang gesezt.

Die Flügel, vier an der Zahl, wie die Zeichnung weiset, bestehen aus vier Armen von geschmiedetem Eisen, an deren Enden dünne Platten befestigt sind, welche 1 Fuß (0m,324) breit, und 14 Zoll (0m,378) hoch sind, und sich gewöhnlich 300 Mal in einer Minute umdrehen. Bei diesem Gange bringen sie einen Windstrom hervor, dessen Geschwindigkeit der Höhe einer Wassersäule von 7 bis 8, ja bis 9 Linien (0m,016 bis 0m,020) zusteht; eine Geschwindigkeit, welche man nur durch sehr hohe und gute Schornsteine erhält, wo

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Dampf erzeugte, wovon aber nur 1 Kilogr. durch Abkühlung verloren ginge, würde den Kesseln der HH. Séguin und Comp. nicht nur in ökonomischer Hinsicht, sondern auch wegen des geringeren Bedarfes an Speisewasser weit vorzuziehen seyn, da eben in der bedeutenden Last des mitzuschleppenden Wassers, und in der Nothwendigkeit des öftern und längeren Anhaltens zur Erneuerung dieses Wasservorrathes eine der größten Unbequemlichkeiten der gewöhnlichen Dampfwagen liegt.

A. d. Ueb.