Text-Bild-Ansicht Band 41

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ihrer Bewegung, wovon sich Jeder überzeugt, der sie arbeiten sieht. Derselbe Fehler findet zwar bei allen Dampfmaschinen mit Kurbeln und Kurbelstangen Statt, aber in keinem so merklichen Grade wie bei der Maschine des Hrn. Cavé; dieser Unterschied rührt von dem geringen Abstande zwischen dem Schwingungspunkte des Cylinders und der Kurbelachse, und von der Länge der Kurbel her. In der That, wenn man sich den Kolben in seinem höchsten Stande vorstellt, und die Bewegung der Kurbel beobachtet, so findet man, daß, während der Kolben bis zur Mitte seines Laufes kömmt, die Kurbel einen merklich größeren Bogen als von 90 Grad, beim Herabsteigen bis zum tiefsten Punkte hingegen einen um so Vieles kleineren Bogen beschreibt. Da nun beide Bogen mit gleich großen Räumen übereinstimmen, welche der Kolben durchläuft, so wird die große Unregelmäßigkeit der Bewegung begreiflich, welche in gewissen Fällen auf die von der Maschine zu leistende Arbeit sehr nachtheilig einwirken muß.

Diesen Uebelstand hat Hr. Cavé auch vollkommen eingesehen, und darum versieht er alle seine Maschinen mit ungeheueren Schwungrädern um ihre Bewegung einiger Maßen gleichförmiger zu machen.

Ein anderer Fehler dieser Anordnung der Dampfmaschinen, welcher die nuzbare Wirkung derselben merklich vermindern muß, liegt in der engen Oeffnung, durch welche der Dampf aus dem Cylinder in die äußere Luft entweichen muß.

Die Maschine, von welcher ich hier die Beschreibung gegeben habe, ist für eine Maschine von 10 Pferdekräften verkauft worden; sie verbrannte 10 bis 11 Maße von Kohlen in zwölfstündiger Arbeit.

Bemerkungen des Uebersezers.

Bei einer oberflächlichen Vergleichung dieser oszillirenden Maschine mit den gewöhnlichen Dampfmaschinen, durch welche eine Radbewegung hervorgebracht wird, scheint jene in Hinsicht auf Einfachheit der Construction allerdings einen großen Vorzug vor der lezteren zu behaupten, indem hier nicht nur der Balancier, sondern auch die Kurbelstange und alle Vorrichtungen von zusammengesezten Hebeln und Gelenken wegfallen, die bei der gewöhnlichen Anordnung nöthig sind, um durch die geradlinichte und rükkehrende Bewegung der Kolbenstange, der Kurbel eine ununterbrochene Kreisbewegung mitzutheilen. Allein bei einer näheren Betrachtung zeigt dieser Vorzug sich ganz illusorisch. Der Widerstand, welchen ein großer Balancier oder Wagbalken durch die Trägheit seiner Masse verursacht, ist gewiß nicht größer als derjenige, welcher durch das Hin- und Herschwingen des schweren Cylinders entsteht; und die Reibung an den Achsen des Balanciers und an den Gelenken eines Watt'schen Parallelogramms ist unstreitig weit geringer, als die an den Zapfen des oszillirenden Cylinders,