Text-Bild-Ansicht Band 94

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Hr. Ebelmen erklärt diese scheinbare Anomalie folgendermaßen: in der ersten Periode des Frischprocesses ist die Kohlenbeschikung so beschaffen, daß die aus dem Herde sich entwikelnden Gase bei ihrem Eintritt in den Glühofen von der atmosphärischen Luft in der Nähe des Eisens, dessen Temperatur man erhöhen will, verbrannt werden: in dem Maaße, als die Kohle im Frischherd verzehrt wird, vergrößert sich der zwischen ihrer Oberfläche und dem Ofengewölbe befindliche Raum, die Wände des Herdes werden erhizt und die in den Glühofen entweichenden Gase, welche im Augenblik des Entschlakens im Frischofen die höchste Temperatur haben, erzeugen durch ihre Verbrennung die höchste Wirkung; nach und nach aber wird die Kohle weniger, die atmosphärische Luft tritt im Verhältniß zum Brennmaterial etwas in Ueberschuß, die sich entwikelnden Gase durchlaufen einen immer größern Raum, ehe sie in den Schweißofen gelangen und erzeugen nicht mehr so viel Hize.

Eine genaue Berechnung des Verhältnisses der verloren gehenden Wärme zu der in einem Frischherde verbrauchten, ist nicht möglich, weil unter zwei Umständen zu viel Wärme verloren geht: nämlich wenn der Frischer vor einer großen Oeffnung arbeitet, aus welcher viele strahlende Wärme entweicht, und dann beim Herausnehmen der Luppe aus dem Feuer, um sie auszuschmieden. Andererseits ist es einleuchtend, daß man die Wärme der Gase aus den Frischherden nicht so nuzbringend anwenden kann, als wenn man den an den Frischherd anstoßenden Ofen direct heizen würde. Nach Hrn. Thirria's Behauptung kann, wenn man das zum Frischen erforderliche Brennmaterial mit 100 ausdrükt, mit den Gasen, welche sich daraus entwikeln, eine Masse Eisen bearbeitet werden, welche, um mit Steinkohle bearbeitet zu werden, 70/100 von den zum Frischen verbrauchten Steinkohlen erfordert hätte.

Summarischer Inhalt des §. II.

Die höchste Temperatur in einem Frischherde mit zwei Formen findet in der Mittlern Region statt, wo der Sauerstoff der Luft und derjenige des atmosphärischen Wasserdunstes in Kohlensäure umgewandelt werden.

In der ersten Periode des Frischprocesses verliert das Roheisen Kohlenstoff und Silicium durch den Sauerstoff des beigemengten oder zugesezten Eisenoxyds. Es erzeugt sich dabei Kohlenoxyd und Kieselerde und Eisen wird reducirt. Nach Hrn. Ebelmen muß hiebei, da die durch die Verbrennung des Kohlenstoffs und des Siliciums entwikelte Wärme beiweitem die zur Trennung des Sauerstoffs vom Eisen erforderliche nicht ersezt, Erkaltung eintreten.